Beste Worte erlebt

Mirjam Fisch
Leben in Westeuropa bedeutet Bildung, Demokratie, Freiheit, Menschenrechte und einiges mehr. Viele sind sich nicht bewusst, wer oder was diese Werte und Privilegien geprägt hat. Sie sind vor allem dort verbreitet, wo das Christentum vorherrschte.

Die Bibel wird als einflussreichstes Buch der Welt bezeichnet und jeden Tag vielfach verkauft. Unsere Verfassung basiert darauf, sie prägt die These: «Die Würde des Menschen ist unantastbar.» Seit 100 Jahren lädt der Bibellesebund Schweiz ein, sich in diese Weltliteratur zu vertiefen. Anstatt sich selbst zu feiern, liess die Organisation 2025 eine spannende Dokumentation produzieren. Der Film «Ziemlich beste Worte» zeigt, wie die Bibel bis heute Gesellschaft und Menschenleben prägt.

«Die Würde des Menschen ist unantastbar.»

Auf der Suche nach Sinn

Eine junge Frau nimmt das Publikum mit auf ihre Suche nach Orientierung und Lebenssinn. Verschiedene Persönlichkeiten beschreiben im Film ihren Zugang zur Bibel, so Regierungsrat Thomi Jourdan. Er reflektiert jeden Morgen, was ihn beschäftigt, sagt: «Man muss die Bibel mit der Sehnsucht lesen, Gott zu finden.» So erhielt er schon konkrete Hinweise, mutig vorwärts zu gehen und sich auch mal von seinem Generalsekretär vertreten zu lassen. «Er hat dann erreicht, was mir zuvor nicht gelungen war», gibt Jourdan offen zu. Auch alt Bundesrat Hans Rudolf Merz konsultierte die Bibel, nachdem er 2008 anlässlich der UBS-Krise einen Herzstillstand erlitten hatte. «Ich fühlte mich wie Hiob, der sagte: «Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt.» Damals habe er jeden Tag im Buch Hiob gelesen. 

Dankbarkeit und Vergebung

Die Neurowissenschafterin Barbara Studer erwähnt Studien, die den Wert von Dankbarkeit oder die Auswirkung von Vergebung aufzeigen. Lächelnd sagt sie: «Das wissen wir schon lange aus der Bibel ...» Die Hirnforschung zeige auf, dass Groll und fehlende Vergebung Stress auslösen: «Das ist sehr ungesund», stellt Studer klar. Schauspieler Beat Schlatter bestätigt diese Erfahrung. Er habe erkannt, dass er selbst zu seinen Beschwerden beitrage. «Bei Ungerechtigkeit konnte ich explodieren – ich habe nun gelernt, dass Verzeihen unglaublich wichtig ist.» Es sei nicht das Wetter, das bei ihm Schmerzen auslöse, gesteht der Rheumatiker. Heute sei ihm bewusst: «Wenn ich mich bis auf die Knochen aufrege, ist das schlecht für die Gesundheit.»

Globale weitreichende Veränderung

Theologieprofessor Gregor Emmenegger führt aus: «Es kommt immer wieder vor, dass ein Bibelvers zuerst ein Leben verändert, dann eine ganze Gesellschaft. Zuerst müssen wir mit Jesus in Dialog kommen – daraus resultieren Taten wie die Gründung von Schulen oder Spitälern.» Sklaverei zum Beispiel war zu biblischen Zeiten als gesellschaftliche Tatsache akzeptiert, wird in Gottes Wort aber nie als Ideal dargestellt. Weil Jesus Mann, Frau, Sklaven und Freie als gleichwertig bezeichnet, lehnen Christen Sklaverei heute ab. Das ermutigt mich – Menschen sind lernfähig, Gott bewegt ihre Herzen. Die Hirnforschung bestätigt damit, was ich in der Bibel erkenne.

Autor: Mirjam Fisch
Quelle: Hope Schweiz