Aus dem Minus wurde ein Plus

Milena und Kilian Knutti
Milena und Kilian Knutti züchten Truten und Hühner. Dazu experimentiert der junge Bauer mit Garnelen. Dass sie heute in seinem Elternhaus leben und ihre Ideen verwirklichen können, sehen die dreifachen Eltern als Geschenk Gottes.

«Mit Freundinnen habe ich mir immer wieder die ‹Landfrauenküche› von SRF angeschaut und darüber gewitzelt, was wir kochen würden», erzählt Milena Knutti. Im Sommer 2025 hat die begeisterte Hobbyköchin selbst teilgenommen. «Zum Podestplatz hat es nicht gereicht, aber es war eine sehr interessante Erfahrung», hält die 32-Jährige fest. Sie hat vor allem Produkte vom eigenen Hof verwendet und es genossen, in der halben Schweiz herumzureisen und die anderen Landfrauen auf ihren Höfen zu besuchen.

«Wir hatten schlaflose Nächte und es ging uns gesundheitlich immer schlechter …»

Käse, Kühe, Konflikte

Geflügel zu züchten und direkt ab Hof zu verkaufen, hatten Milena und ihr Mann ursprünglich nicht geplant. Kilian sucht stets neue Herausforderungen. Er hat bereits im Recyclingbereich, als Automechaniker, später als Maurer und letztlich als Kranführer auf dem Bau gearbeitet. Auch schmierte der Bauernsohn jeweils die vom Vater produzierten Käse, wenn sich dieser als Senn auf der Alp aufhielt. Vor sechs Jahren entschied sich Kilian für die Ausbildung als Landwirt. Anschliessend zog die junge Familie auf einen Milchbetrieb, für den Nachfolger gesucht wurden. Zuversichtlich packte auch Milena mit an. Die Zusammenarbeit erwies sich jedoch zunehmend als belastend, da den beiden kaum Raum für eigenes Gestalten blieb. Kilian gesteht: «Wir hatten schlaflose Nächte und es ging uns gesundheitlich immer schlechter …». Schliesslich kündigte er den Vertrag – ohne Plan B.

Plötzlich war da eine Lücke …

Milena ist als jüngstes von fünf Kindern in einer Bauernfamilie aufgewachsen. Mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder war sie eng verbunden. Durch einen Unfall auf dem Hof kam er ums Leben, als sie dreijährig war. Sechs Jahre zuvor hatte er selbst seine ältere Schwester verloren. «Als Kleinkind habe ich nicht bewusst realisiert, was geschehen war», stellt Milena klar. Plötzlich war da eine Lücke – ihr Bruder fehlte. Sie entwickelte Verlustängste und konnte kaum noch allein einschlafen. Der Glaube der Familie, dass Gott trotz allem gute Absichten hat, liess sie überleben – aber es war eine sehr harte Zeit. Die Eltern verarbeiteten die Katastrophen nach und nach, indem sie einige Jahre später seelsorgerische Hilfe suchten. Dass die Familie viel miteinander sang – Lieder, die ihr Vertrauen in Gott ausdrücken, aber auch Volksmusik – stärkte den Zusammenhalt. Im Teenageralter arbeitete auch Milena das Erlebte auf. «Wir müssen Gott nicht verstehen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er aus einem Minus ein Plus machen kann», ermutigte sie ihr Vater. So konnte seine Tochter ihre Ängste mit der Zeit überwinden.

«Ich war so glücklich, dass meine Mutter immer zuhause war – das möchte ich meinen Kindern nicht vorenthalten.»

Ganz für die Kinder da sein

Milena und Kilian lernten sich 2018 kennen. Im Februar 2020 heirateten sie und wurden im Dezember 2021 Eltern. Heute gehören drei kleine Buben zu ihnen, der älteste kam im Sommer in den Kindergarten. Ihre Teilzeitstelle als Mittelstufenlehrerin hat Milena gekündigt. An diesem einen Tag pro Woche hatte jeweils Kilian für die Buben gesorgt. Die leidenschaftliche Mama und Köchin hält fest: «Ich war so glücklich, dass meine Mutter immer zuhause war – das möchte ich unseren Kindern nicht vorenthalten.» Sie weiss, wie herausfordernd der Schulbeginn sein kann und bekräftigt: «Das Bauernleben ist schön! Wir sind viel zusammen, können im und ums Haus herum viel machen und die Kinder bekommen den ganzen Lebenskreislauf mit.» Die Familie schätzt diese Privilegien und lässt andere daran teilhaben. Zum Beispiel, indem sie einen Wohnwagen als B&B vermietet. 

«Es hat immer genau gereicht»

Ihre Mitmenschen im Blick zu haben, ist Milena und Kilian wichtig. «Ich möchte etwas Sinnvolles tun», hatte Kilian seiner Frau mitgeteilt, als sie frisch verheiratet waren. Also schaffte er Truten an und gemeinsam mästeten sie die Tiere. Mit dem Verkaufserlös übernahmen sie Patenschaften des Hilfswerks JAM. Dieses ermöglicht Kindern in Afrika regelmässige Mahlzeiten und Bildung. «Es hat immer genau gereicht», erzählt und freut sich Milena. «Wir konnten alle Kosten decken und den entsprechenden Betrag für die Kinder überweisen.»

Geflügel statt Rinder

Diese Zuchterfahrung kam dem Paar zugute, nachdem es den Milchbetrieb verlassen hatte. Kilians Eltern überliessen der vierköpfigen Familie das grosse Bauernhaus und zogen in eine Wohnung. «Ohne unsere Notlage wäre das wahrscheinlich nicht passiert. So hat sie doch zu etwas Gutem geführt», resümiert Milena. Erneut wurden Truthähne angeschafft, später kamen Hühner dazu. Knuttis betreuen die Jungtiere liebevoll bis zum Schlachttermin, verpacken das Fleisch selbst und verkaufen es direkt ab Hof. Am Abholtag schöpfen sie ihren Kunden jeweils Suppe oder werfen den Grill an. So lernt man sich kennen. «Viele schätzen es, dass die Tiere es wirklich gut bei uns haben», weiss Milena.

Garnelen und Gottesdienst

Inzwischen arbeitet Kilian bereits an einem weiteren Standbein fürs Familieneinkommen. Neben einem Teilzeitjob auf dem Bau züchtet er Garnelen. Diese beleben Aquarien optisch und halten sie sauber, indem die Tiere die Algen fressen. Milena gefällt diese innovative Seite an ihrem Mann, während sie sich selbst als stetig bezeichnet. «Wir ergänzen uns gut – auch wenn wir an der Kommunikation noch arbeiten müssen», erklärt sie und lacht. Beide schöpfen immer wieder Weisheit und Kraft aus der Bibel oder aus Predigten, die sie in ihrer Freikirche oder online hören. Sich um Kinder zu kümmern und die eigenen Talente auch zum Wohl anderer einzusetzen, erfüllt Milena und Kilian. So schaut das Paar zuversichtlich in die Zukunft. Es hat erlebt, dass Gott aus einem Minus ein Plus machen kann.

Milena Knutti als Köchin in der Hope-Kochshow «Was das Leben auftischt»:

ÜBER KILIAN UND MILENA

Was bringt euch zum Lachen?
Unsere Kinder – mit ihrer unbeschwerten und charmanten Art geben sie uns immer wieder Anlass dazu

Worüber denkt ihr oft nach?
Sinnerfülltes Leben und das damit verbundene Gestalten des Lebens

Was würde uns an euch überraschen?
Der Name unserer Katze: Fuchur

Was möchtet ihr gern erleben?
Freiheit

Wann geratet ihr in einen Flow?
Wenn Kilian in der Landi ist – und Milena die Kopfhörer aufgesetzt hat ...

Autor: Mirjam Fisch
Quelle: Hope Regiozeitung