Tränen zu Perlen
Pascal war ein junger Mann mit Perspektive: ein Musterschüler, sportlich und engagiert in der Kirche. Er lebte für die Musik, sein Herz schlug für christliche moderne Lieder. Mit 15 lernte er Christine kennen, die grosse Liebe seines Lebens. Fünf Jahre später heirateten die beiden. Alles schien perfekt. Pascal absolvierte ein Studium im Ingenieurswesen, das Leben des jungen Paars verlief in geregelten Bahnen – unbeschwert, voller Pläne für die Zukunft.
In Lebensgefahr
2013, zwei Jahre nach der Hochzeit, kam alles anders. Pascal wurde bewusstlos auf der Strasse gefunden. Die Diagnose im Spital: Hirnblutung. Angeschlossen an Schläuche und Kabel lag Pascal im Koma. Als er aufwachte, konnte er nicht sprechen und sich kaum bewegen. Kurze Zeit später erholte er sich, kam zur Reha ins Anna-Seiler-Haus, das zum Inselspital gehört. Auch dort ging es rasch bergauf. Der junge Mann konnte bald wieder gehen, brachte Gott durch Musik und Lieder seine Dankbarkeit entgegen. Dann folgten zwei weitere Blutungen. Christine, gelernte Sozialpädagogin, erinnert sich noch gut an den einschneidenden Anruf aus dem Spital nach dem vierten Vorfall: «Man informierte mich und erklärte mir, der Druck im Gehirn sei so stark, dass Pascal sterben könnte. Am Telefon sollte ich entscheiden, ob die Ärzte diesen lebensgefährlichen Eingriff durchführen dürfen …» Schliesslich mussten die Ärzte handeln. «Diese OP war die einzige Möglichkeit, sonst hätte Pascal nicht überlebt», hält Christine fest.
Im Rollstuhl
Pascal kam als Pflegefall in einen Rollstuhl, konnte erst nach drei Jahren stationärer Reha nach Hause. Es galt, wieder bei null anzufangen. Für Christine brach eine Welt zusammen. Ihr Traum und Bild von einem Ehemann war zerplatzt. Sie musste funktionieren, schwere Entscheidungen treffen, innere Kämpfe ausfechten.
«Werden wir uns je wieder ein Stück Normalität zurückerobern?»
Angst und Überforderung
Die nächsten Jahre waren herausfordernd: erneut lange Spitalaufenthalte, Reha, heftige epileptische Anfälle, organisatorische Strapazen, finanzielle Ängste und quälende Fragen. «Werden wir uns je wieder ein Stück Normalität zurückerobern? Wie wird es weitergehen?», gibt Christine Einblick in jene Zeit des Bangens und Hoffens. Und dann waren da noch die Tränen – unzählige Tränen. Tränen der Trauer, der Angst, der Überforderung. «Ja, auch wenn wir sehr positiv gesinnte Menschen sind und immer wieder neuen Mut gefunden haben, ändert dies nichts an der Tatsache, dass uns sehr viel genommen wurde!»
Bitter oder besser
2017 durfte Pascal nach Hause, bleibt bis heute jedoch kognitiv und körperlich stark gefordert. Um das Erlebte zu verarbeiten, reiste er mit Christine nach Irland. 13 Jahre nach dem Schicksalsschlag leben Pascal und Christine in einer Wohnung am Stadtrand von Bern, ihr drittes Kind ist unterwegs. Das Elternpaar wirkt gefasst, zuversichtlich und voller Tatendrang. Ihr Glaube habe sie durchgetragen, sagen die beiden. Pascal bekräftigt: «Gott kann diesen Mist als Dünger gebrauchen. Wir alle haben immer die Wahl: bitter oder besser zu werden.» Diese Worte klingen klar und zugleich errungen. Auch Wehmut ist noch spürbar, umhüllt von Dankbarkeit für das, was sie haben.
«Wir alle haben immer die Wahl: bitter oder besser zu werden.»
Hoffnung am Handgelenk
Christine hat ein Herz für Schönes und gründete ihr eigenes Schmucklabel: «Perlen Art». Aus Tränen wurden buchstäblich Perlen. Ihr Traum: ein Store in Bern, ein eigenes kleines Team und eine Community, die ihre Mission teilen: «Ich liebe es, Schönes zu kreieren und Menschen zu ermutigen, ich möchte ihnen Glauben und Hoffnung weitergeben», sagt die kreative Frau. Die Schmuckstücke sind mehr als Accessoires, sie stehen auch für Dankbarkeit: Als Halskette, Armkette oder Ring halten sie Träume und Wünsche sowie ersehnte oder erlebte Durchbrüche nah am Körper und in Erinnerung. Christine ergänzt: «Wir wussten lange nicht, ob und wie gut Pascal sich erholen würde. Meine Botschaft ist: Handle im Glauben! Das bedeutet, nicht erst zu starten, wenn du alles im Griff hast und der Weg klar ist. Geh los, wage kleine Schritte und vertraue Gott, auch wenn es stürmt oder Türen (noch) verschlossen sind. Halte an deinen Träumen fest und versuche nicht, alles perfekt zu machen, sonst verpasst du dein Leben.»
Keine Epi-Anfälle mehr
Christine und Pascal sind ein starkes Team. Er blüht auf in seinen Rollen als Ehemann und Vater, sieht sich als Motivator, als Stütze. Seit gut drei Jahren ist Pascal dank guter Medikamenteneinstellung frei von epileptischen Anfällen. Das schenkt allen Stabilität, nach der sie sich lang gesehnt haben. Er hat sich angewöhnt, alles aufzuschreiben, damit nichts vergessen geht. Natürlich gibt es auch Reibungen. Kommunikation ist eine Kunst und manchmal herausfordernd, weil Pascals Einschränkungen Geduld erfordern. Aber die beiden entdecken auch immer wieder Gutes: ihre gemeinsame Freude an feinem Essen, an ehrlichen Gesprächen und an tiefen Beziehungen.
«Meine Geschichte ist nicht zu Ende.»
Grenzenlos hoffnungsvoll
Pascal bezieht heute eine volle IV-Rente und arbeitet 30 Prozent an einem «Angepassten Arbeitsplatz» bei der GEWA in der Administration der Logistik. Seine Möglichkeiten mögen begrenzt sein, aber seine Hoffnung ist grenzenlos. Er hält fest: «Auch aus kleinen Anfängen kann Gott Grosses entstehen lassen. Meine Geschichte ist nicht zu Ende. Ich bin überzeugt, dass sich Türen öffnen werden.» Die Leidenschaft, Gott die Ehre zu geben, lebt weiter. Sie sei nicht ans Musizieren gebunden: Selbst mit einer kleinen Fingerbewegung könne er Gott anbeten – ebenso im Rahmen von Perlen Art. Pascal verweist auf die biblische Aussage «Die ganze Schöpfung betet an …» (Offenbarung, Kapitel 5, Vers 13). Sein nächstes Ziel: «Ich möchte mich in die Buchhaltung von Perlen Art einarbeiten. Eines Tages werde ich diese ganz übernehmen.»
ÜBER CHRISTINE UND PASCAL
Meer oder Berge?
P: nichts mehr...; C: Meer
Käse oder Fleisch?
P: Fleischkäse; C: Käse
Altbekanntes oder Neues?
P: Neues; C: Neues
Glas eher halbvoll oder halbleer?
P: halbvoll; C: halbvoll
Heimlich altern oder riesige Geburtstagsparty?
P: Geschenke sind immer willkommen; C: Kleinere Geburtstagsparty
Ein Lieblingsplatz in der Region:
P: auf unserem Balkon neben dem Grill; C: Aussichtsplatz bei der alten Linde
Lieblingsbeschäftigung sonntags bei Regen:
P: mit Jungs spielen und Kaffee trinken; C: allein chillen, TV, Snacks
Hier geht's zum Interview in voller Länge als Video:
Mehr online: perlen-art.ch