Verteidiger mit Vorwärtsdrang

Rodwin Dionicio (Mitte) mit Familie Stettler
Spektakel ist garantiert, wenn er auf dem Eis steht. Rodwin Dionicio ist bekannt für sein kreatives, wildes Offensivspiel. In Herisau gross geworden, hat sich der 22-Jährige zum Stammverteidiger des EHC Biel entwickelt und träumt von Nordamerika.

Schon als Junior hatte Rodwin Dionicio den Bibelvers aus Josua 1,9 auf seinen Eishockeystock geschrieben. Dort steht: «Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der Herr, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.» Dieses Bibelwort ist zu einem stärkenden Begleiter im Leben des jungen Eishockeyprofis geworden. In herausfordernden Zeiten präge es ihn immer wieder. «Auch meine Mutter weist mich jeweils darauf hin, dass ich auf Gott vertrauen soll.»

«Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst!»

Früh vom Vater verlassen

Rodwins Mutter war es, die sich vor etwas mehr als 20 Jahren entschied, die USA zu verlassen und in die Schweiz zu ziehen. Dort erhoffte sie sich bessere Perspektiven für ihre Tochter und die beiden Söhne. Sie landeten in der Ostschweizer Kleinstadt Herisau. Rodwins Vater verliess die Familie, kaum waren sie angekommen. Dass er mit dem Eishockey in Berührung kam, verdankt Rodwin seinem älteren Bruder Carlos. Er spielte als Torwart in der Herisauer Arena. Eishockey sei die Liebe seines Lebens geworden, stellt Rodwin klar, auch wenn seine Beziehung zu diesem Sport eine komplizierte Logistik erforderte. Er besuchte eine Sportschule, die es ihm erlaubte, 30 Minuten früher loszufahren, um am Training eines Eishockey-Clubs in Rapperswil-Jona teilzunehmen. Die Fahrt in die Stadt am Zürichsee dauerte mit dem Zug 50 Minuten. Seit er elf Jahre alt war, unternahm Dionicio die Reise allein. Er wurde jedoch von seinem Stiefvater Kurt sehr unterstützt.

Mit 15 Jahren ab nach Bern

Rodwin hat früh gelernt, sich auf ein neues Lebensumfeld und verschiedene Kulturen einzustellen. Er spricht vier Sprachen; mit seiner Mutter, die aus der Dominikanischen Republik stammt, ist Spanisch angesagt. Schweizerdeutsch und Deutsch lernte er in der Schulzeit in Herisau AR und später in Bern. Englisch ist generell die Eishockeysprache Nr. 1.

Dass er mit 15 Jahren wegen seines Sports von zuhause auszog, bezeichnet er als grossen Schritt, der Mut erforderte. Seine Jugendzeit verbrachte der Ostschweizer bei Familie Stettler in Uettligen BE, die ebenfalls mit Eishockey verbunden ist. Der Mann im Haus, Martin Stettler, schaut selbst auf eine erfolgreiche Karriere zurück, vorwiegend bei Langnau und Bern (u. a. Schweizermeister mit dem SC Bern 2009/2010). Bei Rodwin habe er schon früh das Potenzial erkannt: «Kurt und ich haben ein paar Spiele angeschaut und schnell gesehen, dass er sehr talentiert ist und wohl in die Nati aufsteigen wird.» Der 17-Jährige spielte damals bei den «Futures» des SCB. «Ich bin ein Kämpfer, gebe nicht so schnell auf, pushe mich weiter, um den nächsten Schritt zu machen – ob auf oder neben dem Eis», betont Rodwin. Er schätzte es, dass er bei Stettlers und ihren zwei Töchtern leben durfte: «Ich konnte viel für mein Leben lernen.» Auch seine Mutter, Kurt und die Geschwister pflegten den Kontakt zu der Familie, die Rodwin wie ihren Sohn aufgenommen hatte. Dieser fühlt sich bis heute als Teil der Familie und sieht diese regelmässig.

«Ich bin ein Kämpfer, gebe nicht so schnell auf, pushe mich weiter, um den nächsten Schritt zu machen.»

Unverkrampft Leben und Glauben teilen

Motiviert durch seinen christlichen Glauben pflegt das Ehepaar Stettler seit Langem eine Kultur der Gastfreundschaft. «Wir haben Menschen in den unterschiedlichsten Lebenssituationen bei uns aufgenommen», berichtet Doris Stettler. Rodwin fühlte sich von Anfang an sehr wohl bei Familie Stettler, die den Glauben im Alltag sehr natürlich lebt. Der 22-Jährige schmunzelt und erzählt: «Als meine Mutter erfahren hat, dass Stettlers auch gläubig sind, war sie begeistert und fand: Da bleibst du!» Sie habe ihm den Glauben nahegebracht, mit ihren Kindern gebetet und Rodwin ermutigt, Jesus zu vertrauen. Seine Mutter verstand es als Händedruck Gottes, dass ihr Sohn bei einer Familie untergekommen war, die ebenfalls mit Jesus lebt.

Zurück in die USA

Seine erste Saison im kanadischen Junioren-Eishockey spielte Rodwin 2021/22 bei den Niagara Icedogs. Dionicio hat die Schweiz bei zahlreichen internationalen Turnieren vertreten, darunter drei Junioren-Weltmeisterschaften in Folge (2022-2024) und die U18-Weltmeisterschaft 2021. Bei der Junioren-Weltmeisterschaft 2024 erzielte er in fünf Turnierspielen vier Punkte (2 Tore, 2 Assists). Gestartet hat er als talentierter und feuriger Stürmer. Doch sein Trainer empfahl ihm, in die Verteidigung zu wechseln. Dort werde er mehr Erfolg haben. Rodwin vertraute dessen Rat und spielte ab der U14 als Verteidiger.

Heute ist Rodwin auch überzeugt, dass seine Qualitäten als Verteidiger am besten zur Entfaltung kommen. Der Erfolg gibt ihm recht: Rodwin hat längst den Durchbruch bei den Profis geschafft, ist einer der produktivsten Verteidiger der Liga und wurde 2024 sogar von den Anaheim Ducks gedraftet und mit einem Einstiegsvertrag über drei Jahre ausgestattet. Erste Spiele mit dem A-Nationalteam hat er auch schon bestritten.

«Ich denke gern an gemeinsame Kirchenbesuche oder Gebete mit meiner Mutter zurück.»

«Glaub an dich und gib nie auf!»

Um sich heute mental auf seine Einsätze vorzubereiten, nutzt Rodwin die Erinnerung an bereits Durchgestandenes, aber auch Höhepunkte seiner Laufbahn. Seine Familie und sein Glaube geben ihm zusätzlich Halt. «Ich denke gern an gemeinsame Kirchenbesuche oder Gebete mit meiner Mutter zurück.» Die Verbindung zu Gott begleite ihn immer. So schaut er zuversichtlich vorwärts. Rodwin empfiehlt jedem jungen Eishockey-Begeisterten, an sich zu glauben: «Geh immer weiter – gib nie auf!»

Autor: Florian Wüthrich / Mirjam Fisch