Mutige evangelische Influencer in Kuba
Unter den Influencern Kubas, die auf den sozialen Medien gegen das Castro-Regime protestieren, sind fünf evangelikale Stimmen, die vom Medienportal Árbol Invertido vorgestellt wurden.
Anna Sofía Benítez Silvente (Anna Bensi)
Diese junge Frau ist eine 20-jährige Christin aus Havanna, die ihre Social-Media-Konten nutzt, um die harte tägliche Realität der Kubaner aufzudecken: Stromausfälle, Versorgungsengpässe, niedrige Löhne und der Verlust der Hoffnung.
Ihre 100'000 Follower auf Facebook machen sie in den Augen des Staates zu einer gefährlichen Person. Aufgrund des Drucks auf ihren Arbeitgeber wurde sie entlassen. Aber ihre Stimme ist weiterhin zu hören.
Im Oktober 2025 veröffentlichte sie ihr erstes virales Video, in dem sie die bürokratische Katastrophe auf der Insel beschrieb, die ihren Universitätsabschluss um Monate verzögerte. Dann begann sie, Videos auf ihrem YouTube-Kanal zu veröffentlichen, in denen sie über die mangelnde Meinungsfreiheit und den Slogan «Bildung in Kuba ist kostenlos» reflektierte.
Sie sagt, sie würde ihre Identität als Gläubige in ihren Videos niemals aufgeben: «Es ist Jesus, der mir den Mut gab, meine Stimme zu erheben.»
Ernesto Ricardo Medina
Der auch als Tico bekannte Influencer besucht seit seiner Kindheit eine kleine Gemeinde und identifiziert sich auch heute noch als Christ. «Mein Ziel ist es, in allem, was ich tue, Christus in den Mittelpunkt zu stellen», erklärt er.
Zusammen mit einem anderen jungen Mann leitet er El4tico (El Cuartico), ein Projekt, das als Serie von Kurzvideos für soziale Medien begann und auf Facebook sehr beliebt ist, mit Zehntausenden von Followern auf YouTube und mehr als 93'000 auf Instagram. Dort veröffentlichen sie politische Analysen zu kubanischen und globalen Themen. Eine oder mehrere Personen werden jeweils in einem Raum mit einer Schultafel im Hintergrund gezeigt, auf der häufig Botschaften wie «Nur Christus rettet» zu sehen sind.
Laut Árbol Invertido wurden die Mitglieder von El4tico Anfang Februar 2026 von der Polizei entführt, was eine große Welle der Solidarität auslöste.
Iván Daniel Calás Navarro
Er war einer der ersten YouTuber auf der Insel und hatte im Februar 2026 fast 10'000 Abonnenten, ausserdem gewann er mehr als 15'000 Follower auf Facebook. Er behandelt Themen, die christliche Jugendliche betreffen, mit Leichtigkeit, Theologie und Theatralik. Während seines Wehrdienstes von 2022 bis 2023 wurde er mehrmals verhört. Zu dieser Zeit war er Jugendleiter in seiner örtlichen Kirche und zeigte weiterhin die harte Realität der Insel durch andere Medien wie Fotografie und Design.
In der Initiative «Rutas con propósito» (Wege mit Sinn) brachte er Dutzende von jungen Menschen auf Fahrrädern zusammen, um am Rande der Hauptstadt für die wirtschaftliche und spirituelle Krise des Landes zu beten. In seiner Kirche lehrte er 2022 über die Bedeutung der Religionsfreiheit.
Im September 2023 wurde er von der Polizei vorgeladen. Seine Familie, Leiter und Freunde begleiteten ihn zur Polizeistation. Sein Pastor, der ihn 2021 getauft und getraut hatte, brachte er bis zur Tür. Nach dem Verhör gab er zu: «Ja, ich fürchte um mein Leben. Aber Gott hat die Kontrolle. Gott ist stärker. Gott ist der König der Könige.» In den folgenden Monaten schwieg er nicht, sondern prangerte das Regime immer radikaler an.
Yordanka Battle Moré
Sie wurde bekannt, als sie live aus einer langen Schlange vor einem Lebensmittelgeschäft berichtete. Das war der Beginn ihrer regelmässigen Facebook-Beiträge, in denen sie ihren mehr als 30'000 Followern von der harten Realität des Alltags berichtete.
«Niemand soll es wagen, mir etwas von Anstrengung oder Opferbereitschaft zu erzählen. Was wir erleben, ist nicht fair; wir sind keine Tiere. Hunde in den Vereinigten Staaten leben besser... Sie müssen mich töten, um mich zum Schweigen zu bringen.» Ihre Live-Übertragungen inspirierten andere. Stunden nach ihrem ersten viralen Video wurde sie von ihrem staatlichen Arbeitsplatz entlassen.
Am 28. Januar 2023 meldete sie polizeiliche Überwachung in der Nähe ihres Wohnortes. Im folgenden Monat wurde sie zur Polizeistation Zapata y C in Havanna vorgeladen, weil sie, wie ihr ein Polizist mitteilte, die Massen aufwiegele.
Zur Frage nach ihrer Motivation bekennt sie: «Meine Antwort ist immer dieselbe: Ich liebe unseren Herrn Jesus Christus für das, was er ist. Er muss kein Wunder vollbringen und mich aus Kuba herausholen, er muss mir keinen Luxus, keine Juwelen, Yachten und Villen schenken, damit ich ihn liebe…»
David Espinosa
Als Verantwortlicher für Kommunikation in der Baptistengemeinde El Calvario wurde Espinosa von der Polizei vorgeladen und wegen seiner öffentlichen Opposition gegen die vom Palast der Revolution auferlegte Gender-Ideologie eingeschüchtert.
Er ist bekannt für seine Verweise auf das imaginäre Land Abuc, ein schönes Beispiel für den Einsatz von Humor in den Sozialen Medien. Durch diese Anspielung konnte der junge Mann aus Havanna die Situation auf der Insel verschlüsselt ansprechen.
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