Warum die Zukunft mutigen Pionieren gehört
André Häusling macht es sich in seinem Sessel bequem. Der Gründer und Geschäftsführer von HR Pioneers steht mit seiner Firma dafür, Zusammenarbeit zu revolutionieren, allerdings konzentriert er sich weniger auf Methoden und Techniken, sondern in erster Linie auf Menschen. Das steckt hinter seinem Arbeitsschwerpunkt, dem agilen Personalmanagement. Im Gespräch erklärt er Hauke Burgarth, dass dies natürlich nicht sein Traumberuf war: «Eigentlich wollte ich mal Förster werden und bin dann wohl falsch abgebogen.» Er entwickelte eine Begeisterung für Menschen und wollte ihr Potenzial entwickeln. So landete er nach seinem Soziologiestudium in der Personalentwicklung – und hat dort seine Leidenschaft gefunden.
Zusammenarbeit neu denken
Die Welt wird komplexer und Entscheidungen werden schwieriger. Immer mehr Menschen spüren: Die alten Antworten funktionieren nicht mehr. Während Firmen und Organisationen mit Veränderungsdruck kämpfen und Teams nach Orientierung suchen, fragen sich Führungskräfte, ob sie eher auf Stabilität oder Innovation setzen sollen. Für André Häusling liegt die Lösung in einem neuen Denken. Das Problem ist oft, dass Organisationen trotz langer Planung und gründlicher Analyse nicht vorankommen. Sie versuchen nämlich, mit Methoden aus einer berechenbaren Vergangenheit in eine unvorhersehbare Zukunft hineinzugehen. Dabei funktioniert moderne Zusammenarbeit nach einem gänzlich anderen Prinzip: ausprobieren, lernen, anpassen. Laut André Häusling sind keine jahrelangen Masterpläne nötig, sondern kurze Zyklen, kleine Schritte und der Mut, etwas Neues zu probieren.
Agilität als Herausforderung, auch für Gemeinden
Die Arbeit und Herangehensweise von HR Pioneers überzeugt viele Firmen, die sich der Herausforderung stellen, agil zu werden. Das bedeutet nicht, ständig alles infrage zu stellen und zu verändern. Es ist vielmehr die Suche nach einer Balance zwischen Stabilität und Flexibilität. Wer nur Sicherheit sucht, bleibt stehen. Wer nur Geschwindigkeit will, verliert den Halt. Erfolg entsteht dort, wo beides zusammenkommt.
Als André Häusling 2018 als Teilnehmer auf dem Willow Creek Leiterkongress war, stiess er zum ersten Mal auf den Gedanken: «Wie kann ich meine Firma eigentlich mehr für den Bau von Gottes Reich nutzen?» Prompt erhielt er die ersten Anfragen. Er bot einen ersten Workshop für Kirchen und Gemeinden an und merkte schnell, dass er ihnen etwas zu bieten hatte. Dieses Jahr steht er als Redner auf dem Programm: «Verwurzelt in neuem Denken.» Dabei geht es ihm um drei Bereiche: Zukunft anders zu denken, Leitung anders zu denken und Zusammenarbeit anders zu denken. Er fasst es kurz zusammen: «Wir kommen aus einer Zeit, wo wir viel im Entweder-oder gedacht haben, wo wir versuchen, Dinge zu vereinfachen. Und ich rede über Spannungsfelder und wie wir sie austarieren.»
Kein Missionsauftrag, eine Organisation besser zu machen
Wenn André Häusling als Berater für eine Firma tätig wird, sieht er keinen missionarischen Ehrgeiz, sie besser zu machen. «Ich bin Lotse, ich komme für eine bestimmte Zeit an Bord. Das mache ich gerne, aber die Verantwortung liegt woanders», stellt er klar. Dabei spielt sein christlicher Glaube für ihn nicht die entscheidende Rolle, wohl aber das Wertesystem, das ihn und seine Mitarbeitenden verbindet. Deutliche Gemeinsamkeiten zwischen Firmen und christlichen Organisationen sieht er im Bereich der Leitung: «Beiden hilft ein dienender Führungsansatz. Und auch die Art und Weise, wie Führung organisiert wird, gerade jetzt in einer komplexer werdenden Welt.»
Gemeinden sind immer ein bisschen zurückhaltender, was Technologie angeht, auf der anderen Seite haben sie keine Probleme mit einem übergeordneten Sinn und Zweck – hier kämpfen die Unternehmen stärker. Die Hauptparallele aber ist sicher, dass in beiden Bereichen Menschen zusammenkommen, bei denen es viel um Emotionen, Beziehungen und um Bedürfnisse geht.
Veränderung in der Gemeinde
Die entscheidende Frage lautet für André Häusling nicht: Wie werden wir effizienter?, sondern: Wie schaffen wir echten Nutzen für Menschen und die Organisation zugleich? Für ihn entsteht da Energie, wo Menschen ihre Talente einbringen können und Sinn erleben – das ist der Motor jeder erfolgreichen Veränderung. Dies regt er an, indem er in Seminaren und Workshops spielerisch Räume schafft, um auf eine neue Weise über den Gemeindealltag nachzudenken, ihn schon einmal zu erleben. Solche Veränderungsprozesse regt er einerseits als professioneller Berater an, aber genauso als Betroffener, denn er engagiert sich auch selbst in seiner Gemeinde und erlebt das Umfeld, von dem er spricht.
Für ihn liegt der nächste Schritt nicht darin, noch mehr zu analysieren, sondern anzufangen. Nicht perfekt, aber entschlossen. Denn echte Veränderung entsteht nicht durch perfekte Rahmenbedingungen, sondern durch Menschen, die bereit sind, den ersten Schritt zu gehen. Deshalb wünscht André Häusling seinen Zuhörerinnen und Zuhörern zum Schluss des Gesprächs noch: «Machen ist wie wollen, nur krasser. Ich glaube, dass es momentan viele Pionierinnen und Pioniere braucht, die ins Tun kommen, die mutig sind und Entscheidungen treffen; die Orientierung geben, auch wenn sie manchmal keine haben. Häufig wisst ihr selber, was zu tun ist und traut euch nicht, diese Dinge zu tun. Ich wünsche euch, dass ihr sie tut.»
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