Gottes Trost im Unfassbaren

Regula Fässlers
Nach 27 Jahren Ehe starb plötzlich Regula Fässlers Ehemann. Wie sollte sie einen Bauernhof mit 60 Tieren allein weiterführen? Die nun fünfköpfige Familie erlebte Gottes Trost – auch durch übernatürliche Begegnungen.

Regula Fässler hatte am 6. November 2021 Einkäufe erledigt, etwa zwei Stunden später kam sie nach Hause. Ihr jüngster Sohn fragte: «Wo ist Papa?» Er sei wohl am Bereitstellen des Futters für die Kühe, meinte sie. «Ja, Mama, die Maschine läuft, aber es ist dunkel in der Scheune…» Das ungute Gefühl, das sie schon während ihrer Besorgungen empfunden hatte, verstärkte sich. Regula rief ihren Mann an. Er nahm nicht ab und sie erkannte: «Jetzt ist etwas gar nicht mehr gut!» Sie bat den Nachbarn, ihr bei der Suche zu helfen. In der Scheune fanden sie ihren toten Mann. Er war in die Futtermischmaschine gefallen. Rettungskräfte wurden alarmiert. «Es war ein riesiger Schock – ich wusste, ich kann ihm nicht mehr helfen, es ist zu spät», erinnert sich Regula.

Alle Kinder versammelten sich im Haus. «Wir hatten den Eindruck, es würde uns zerreissen – der Schmerz war unbeschreiblich», erinnert sich die vierfache Mutter. «Wir schrien in der Küche zu Jesus und baten um Hilfe.» Als eine Notfallseelsorgerin kam, verharrte die Familie weiter im Gebet. Trotz des schrecklichen Unfalls herrschte eine Atmosphäre des Friedens. «Dafür waren wir sehr dankbar», bestätigt Regula. Schliesslich stand die Seelsorgerin auf und sagte: «Ich kann hier gar nicht helfen! Ich geh raus.» Verblüfft fragte eine Tochter: «Mama, wer hat jetzt wem geholfen?»

Überall waren Engel

Der Unfall geschah während der Corona-Pandemie, und die drei erwachsenen Kinder verarbeiteten das Geschehen unterschiedlich. Der jüngste Sohn war erst 16, mit ihm hatte der Vater eng zusammengearbeitet. Daher war Regulas Herz wegen ihm besonders schwer. Doch schon am Tag nach dem Unfall kam er zu ihr und erzählte: «Mama, ich hatte einen Traum. Ich habe Papa gesehen, er ist im Himmel, es geht ihm gut!» Er habe auch viele Engel gesehen, die mit ihnen und den Nachbarn zusammen am Unfallort gestanden hatten. «Überall waren Engel – es kommt alles gut», versicherte ihr Sohn. Für Regula war das ein grosser Trost.

«Vertraust du mir?»

Als sie eine Woche später am Sarg ihres Mannes stand, kam in Regula die Frage nach dem Warum wieder hoch. Doch dann stellte sich plötzlich Jesus zwischen sie und den Sarg. «Schau nur auf mich – überlass den Tod und das Warum mir», sagte er. «Aber wie kann ich ohne meinen Mann weitergehen?», wollte sie wissen. Regula spürte, dass sie nun wählen muss. «Er ist ein liebender, souveräner und heiliger Gott – wenn ich das Erlebte auch nicht verstehe, heisst das nicht, dass er mich nicht liebt», erkannte sie und spürte: «Wir erheben uns über ihn, wenn wir ihn anklagen. Es geht um unser Vertrauen zu ihm.» Sie stand vor einer Entscheidung mit weitreichenden Folgen: «Bin ich bereit, meine Fragen ihm zu überlassen? Oder klage ich ihn an, weil er mir das zumutet und versinke in Depression?» Sie warf sich in Jesu Arme, brachte ihm ihren Schmerz und sprach ihr Vertrauen aus, darauf wurde sie mit tiefem Frieden erfüllt.

Wie weiter?

Für Regula stellte sich bald die Frage, wie sie den Hof weiterführen sollte. Seit die Kinder im Teenageralter waren, arbeitete sie wieder ausser Haus. Nun musste sie beides bewältigen. Sie konnte manchmal nicht mehr schlafen, wurde von Alpträumen geweckt. Sie fühlte sich überfordert und wurde von Zukunftsängsten geplagt. «Ich kann das alles nicht!», schrie sie innerlich und bat Gott: «Bitte hilf mir, aus all den Angeboten die Person zu wählen, die uns wirklich helfen kann.»

Schliesslich entschied sie sich für einen Mann, den sie flüchtig kannte. Als sie den Stall betraten, realisierte die Bäuerin, dass die Entmistungsanlage ausgefallen war.  Die Kühe standen im Mist. Sie wusste nicht, ob das ein mechanisches oder ein elektronisches Problem war. «Wenn es heute Nacht gefriert, gibt das ein Desaster», befürchtete Regula. Da übernahm der neue Helfer plötzlich die Führung. Er fragte gezielt nach Anschlüssen. Regula musste ins Haus, um mit Beratern die Weiterführung des Hofs zu klären und liess ihn daher allein. Als sie schliesslich zurückkehrte, stellte er klar: «Es läuft alles wieder.» Regula fragte nach seinem Beruf und erfuhr: «Ich bin Elektromechaniker.» Und innerlich hörte die überraschte Witwe: «Ich habe dir den Mechaniker und den Elektroniker bereits geschickt – bevor du wusstest, dass du da ein Problem hast. Vertraust du mir jetzt, dass ich dich versorge?»

«Gott komm nie zu spät»

Ein halbes Jahr später beschritt Regula während eines Gottesdiensts einen Gebetsweg. Dort las sie: «Gott kommt nie zu spät.» Ihre spontane Reaktion war: «Gott – er ist in die Maschine gefallen! Warst du da nicht zu spät?» In einem inneren Bild führte der himmlische Vater sie nun in die Scheune zurück. Sie schaute ihrem Mann zu, wie er das Futter für die Tiere bereitstellte. Plötzlich fiel er in sich zusammen. «Jetzt fällt er in die Maschine!», befürchtete seine Frau. Doch in dem Moment sah sie einen Mann, der durch die geschlossene Scheunewand hereinkam. Er nahm ihren Ehemann in den Arm und ging mit ihm wieder durch die Wand hinaus. Zurück in der Gegenwart realisierte die Trauernde: «Mein Mann ist nicht lebend in die Maschine gefallen! Wenn Geist und Seele den Körper verlassen haben, ist man tot!» Für sie war nun klar, dass Jesus ihn liebevoll in die Arme genommen und er keinen furchtbaren Tod hatte erleiden müssen. «Ich war so erlöst – von diesem Moment an hatte ich nie mehr einen Albtraum», stellt Regula klar. Sie war sofort geheilt von ihrem Trauma.

Immer wieder erlebte sie in dieser Zeit Gottes Wirken. «Er hat mich komplett geheilt – das ist ein grosses Wunder», betont sie. Auch dass sie wieder verheiratet ist, betrachtet sie als ein grosses Geschenk ihres Schöpfers.

Zum Interview mit Regula Fässler bei WunderHeute.TV:

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Autor: Mirjam Fisch-Köhler
Quelle: Livenet / Wunder.heuteTV

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