Eine Olympia-Hoffnung für die Schweiz

Melanie Hasler
Seit sieben Jahren steuert Melanie Hasler, ehemalige professionelle Volleyballerin, erfolgreich den Bob der Schweizerinnen. In St.Moritz im Mono- und Zweierbob frisch zur Doppel-Europameisterin gekürt fiebert sie der Olympiade in Italien entgegen.

«Ich bin optimistisch, mega motiviert - meine Erwartungen sind höher als vor vier Jahren», erklärt Melanie Hasler. «Jetzt will ich die Medaille!» Die 28-Jährige war jahrelang begeisterte Volleyballerin. Sie spielte erfolgreich in der Nationalmannschaft. Besonders Beachvolley begeisterte sie, erste Schritte zu einer Karriere als Profi hatte sie bereits unternommen. Melanie besuchte damals die KV-Sportschule, die ihr viel Zeit fürs Training ermöglichte. Doch dann erlebte sie Enttäuschungen, Versprechen wurden nicht eingehalten, vieles lief nicht mehr, wie sie es sich gewünscht hatte. Eines Tages war der Elan weg. Die kaufmännische Ausbildung in der Sportschule dauert vier Jahre. Diese durchzuziehen, obwohl das Feuer fehlt, erschien Melanie zu lang. Sie dachte über andere Optionen nach.

«Ich war bereit für einen Wechsel – aber Bob …? Ich hatte keine Ahnung davon.»

Szenenwechsel

Melanie verfügt über eine ausgesprochen gute Sprungkraft. Ihr damaliger Volleyballtrainer erwähnte in einem Trainings-Camp in Tenero, dass Melanie mit den Männern mithalten könne. Das erregte die Aufmerksamkeit des Trainers der Bob-Fahrerinnen, Christoph Langen. Er lud sie zu einer Probefahrt in einem Bob ein. «Ich war bereit für einen Wechsel – aber Bob …? Diese Sportart war mir nur durch den Film ‹Free Running› bekannt. Ich hatte keine Ahnung davon», lacht die junge Frau. Doch Melanie sagte zu und ging die Sache locker an. Vor der ersten Fahrt liess sich die damals 19-Jährige erklären, worauf sie achten muss. Sie stieg ein und fuhr los. Bereits beim Aussteigen wusste sie: «Das ist es!» Das Feuer war wieder entfacht. Christoph Langen wollte Melanie als Pilotin ausbilden. Die wenigsten Anfängerinnen fahren gleich zu Beginn selbst, starten in der Regel als Anschieberinnen. So wurde ihr 2017 ein Achtjahres-Plan vorgestellt, mit EM, WM, Olympischen Spielen. Später erklärte ihr Langen, wie man einen MonoBob fährt. «Zuerst hatte ich Angst – aber während der Fahrt empfand ich nur noch Freude!», erzählt Melanie begeistert. «Es war so cool – Adrenalin pur!» Sie wechselte definitiv vom Volleyball zum Bob. «Ich habe noch einen draufgelegt, habe alles gegeben im Training», bekräftigt die Sportbegeisterte. Gemeinsam hoffe man jeweils, jedes Hundertstel herausholen zu können, beschreibt sie die Gefühle vor dem Start. Während der Coronapandemie waren die Umstände anders. Viele gute Athletinnen waren am Start, die besten Pilotinnen, auch aus den USA. «Ich war ganz entspannt, wollte einfach fahren», betont Melanie. «Man sieht die Bahn vor sich, den Schlitten, und dann gibt man zusammen Vollgas!» Alles passte – ihr Team fuhr erstklassig. Nach sieben Jahren waren sie im Januar 2021 die ersten Frauen, die im Weltcup im Zweier-Bob aufs Podest kamen. Strahlend erinnert sich die Athletin: «Das war ein riesiges Fest!»

«Mein Glaube ist immer in schwierigen Zeiten gewachsen.»

Freude, die bleibt

Melanie ist mit drei älteren Geschwistern in Berikon AG aufgewachsen, ihre Mutter stammt von der Dominikanischen Republik. «Ich bevorzugte immer den Sommer – Kälte mochte ich nicht so …», verrät Melanie. Eine ihrer Schwestern erzählte ihr schon früh von ihrer Freundschaft mit Jesus und dass bei ihm Kraft und Frieden zu finden seien. Als die junge Sportlerin nach verschiedenen Rückschlägen in eine depressive Verstimmung geriet, erinnerte sie sich daran. Sie nahm an einem Gottesdienst der Freikirche ihrer Schwester teil und war tief bewegt. Anschliessend lud auch sie Jesus in ihr Leben ein, bat ihn um neue Freude. Seither betet Melanie regelmässig, fragt Jesus um Rat, tauscht sich mit ihm und spricht sich bei ihm aus. «Mein Glaube ist immer in schwierigen Zeiten gewachsen», betont sie. «Beim Bobfahren brauche ich ihn am meisten. Es sind so viele Emotionen im Spiel, so viele Dinge, die ich nicht kontrollieren kann.» Dann sage sie jeweils: «Jesus, jetzt brauche ich deine Hilfe!» Er sei ihre erste Anlaufstelle, mit Jesus zusammen übe sie sich darin, Herausforderungen zu überwinden und Resilienz zu entwickeln. Der Heilige Geist sei ihr Pilot auf der Bahn, er leite und lenke sie. Bobfahren sieht Melanie als Risikosportart, empfindet vor jeder Fahrt Respekt. Stets bete sie für ihr Team und dafür, dass alle gesund unten ankommen. Selbst im Falle einer Niederlage lässt sie sich die Freude nicht rauben.«Man muss aufpassen, was man betet», berichtet Melanie schmunzelnd. «Wenn ich um Geduld bitte, werde ich Situationen erleben, in denen ich Geduld üben kann …»

Melanie Hasler am Start der Bahn

Bei Gott Frieden suchen

Vor dem Start sei eine gewisse Aggression spürbar. «Wenn du zu viel willst, verkrampfst du dich. In dem Moment, wenn ich einsteige, die Lenkseile in der Hand habe, bin ich völlig ruhig», beschreibt Melanie. «Es ist ganz still, ich spüre nur den Wind, das Eis rumpelt ein bisschen – das ist wunderschön!» Eine gewisse Lockerheit inmitten der Herausforderung sei wichtig. Die Meinung der Trainer oder ihres Umfelds könne sie nicht kontrollieren, auch nicht die Startnummer, das Wetter oder wie die anderen fahren. «Ich kann nur mich und das Material gut vorbereiten und dann alles geben», hält Melanie fest und fährt fort: «Ich hatte in meinem Leben schon viele Pläne – etliche davon haben sich nicht erfüllt.» Allerdings: «Die schwierigen Situationen, die ich selbst durchlebt habe, helfen mir nun, andere zu verstehen und ihnen Hoffnung zu vermitteln.» Auch im Privatleben mache es keinen Sinn, ständig etwas vom Umfeld zu erwarten. «Ich muss meinen inneren Frieden bei Gott suchen, bei ihm Energie tanken», hat Melanie erfahren.

Hoffnung

Seit drei Jahren ist sie mit dem Bob-Piloten Michael Vogt liiert. Die vielfältig begabte Frau malt, spielt Klavier, reist und surft gern, liebt Gemeinschaft. Ihre Tage sind ausgefüllt mit Training, Administration fürs Team und der Instandhaltung des Bobs. Im Sommer trainiert Melanie durchgehend, fährt den Bob selbst zu den Wettkämpfen. Nach der WM hatte sie knapp einen Monat Pause, dann ging das Spring-, Kraft-, und AnschubTraining wieder los. «Es war nicht geplant, dass ich mich 2022 schon für Olympia qualifiziere – ich konnte einfach mal Erfahrungen sammeln», blickt sie zurück. «Jetzt bin ich bereit und freue mich auf Olympia!» Das Schweizer Team habe neue Schlitten entwickelt – ob sie damit die Deutschen schlagen können, sei offen. «Sie sind sehr stark mit ihrem Material», weiss Melanie. Aber sie sei sehr gut vorbereitet und werde alles geben. Olympia-Edelmetall hin oder her ... zweimal für die Olympiade qualifiziert worden zu sein, sei bereits ein Erfolg, findet die doppelte Europameisterin (St. Moritz, 10./11. Januar 2026). Sie stellt klar: «Gottes Wille ist mir am wichtigsten. Ich will mich darin üben, ihm zu vertrauen, dass er mich gut führt und will auf die Stimme des Heiligen Geistes hören.» Zuversichtlich blickt Melanie der weiteren Saison entgegen, sagt abschliessend: «Natürlich hätte ich gern eine Medaille, aber das ist nicht alles im Leben.»

ZUR PERSON

Einer meiner Lieblingsplätze im Kanton Aargau:
Zuhause in Berikon.

Mein Lieblingsbuch oder meine Lieblingsserie:
Natürlich die Bibel. Das ist das einzige Buch, das ich seit langem lese und die Serie «The Chosen»

Meine liebste Jahreszeit:
Alles zwischen Frühling und Herbst. Die Wintertage sind zu kalt und zu kurz.

Welche App auf deinem Mobile haben nicht alle?
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Autor: Mirjam Fisch-Köhler
Quelle: Hope Schweiz