Die Familie: das Filetstück der Jüngerschaft
Es ist bekannt: Es ist nirgends so einfach, Christ zu sein, wie auf der Kanzel. Und nirgends so herausfordernd, wie in der Familie. Kuno und seine Frau haben versucht, ihren Glauben ganz natürlich in der Familie und mit den Kindern zu leben – mit dem Ergebnis, dass seine Tochter Dorine Neumann, verheiratet und zwei Kinder, mit ihrem Mann René heute selbst über dieses spannende Thema lehrt.
Jüngerschaft nicht einfach an die Kirche auslagern
«Das Projekt ist über Jahre entstanden», bekennt Dorine. «Es ist ein emotionales Thema, viele fühlen sich angegriffen, viele Eltern leiden unter Vergleichen und eigenem Versagen, wenn es um den Glauben in der Familie geht.» Aber: «Die Familie ist eigentlich das Filetstück der Jüngerschaft», findet Kuno, «und wir sollten das Thema Jüngerschaft nicht einfach an die Kirche auslagern. In der Familie macht es am meisten Sinn. Sie ist das Kernstück – es gibt keinen besseren Ort, den Glauben zu leben.»
Jede Familie ist schön
In einer Zeit, wo Familie kritisch beurteilt und viel «dysfunktional» erlebt wird, klingt Dorines Aussage fast provozierend: «Jede Familie hat ihre eigene Schönheit, und die ist in jeder Familie anders – die einen sind sehr gastfreundlich, andere total ordentlich oder enorm kreativ.» Sie ermutigt: «Nicht vergleichen, sondern die Schönheit der eigenen Familie finden!»
Wie läuft es ab?
Dorine und ihr Mann haben den Jüngerschaftskurs «JaFe» (hebr. für «schön») entwickelt, der im Grunde «kein Programm, sondern organisch in den Alltag eingefügt» ist. Der Ablauf: Mehrere Familien machen sich auf den Weg, ein Leiterehepaar wird von Neumanns gecoacht. 12 Einheiten mit Videos, Input und Interview behandeln je ein Thema aus dem praktischen Leben der Familie. Die Gruppe ist da zum Austauschen, zum Nachfragen und zur Ermutigung, auch wenn es nicht geklappt hat.
Bei «Kunos» daheim gelernt
Wie hat Dorine selbst den Glauben ihrer Eltern in der Familie erlebt? «Unsere Eltern habe ihren Glauben einfach gelebt; immer wieder mal hiess es `wir sagen es grad Jesus`». Ihren Papa habe sie jeden Morgen beim Bibellesen erlebt; das gab ihr Sicherheit: «Mein Daddy nimmt sich Zeit mit Jesus.» Und dann «Das mach ich auch.» Das einfachste Jüngerschafts-Programm ist ja: Ich sehe es, jetzt mach ich es auch. Heute erzählt sie gern ihren eigenen Kindern die Geschichten der Bibel.
Kuno weiss: «Wir sind halt die einzigen Eltern, wir sind konkurrenzlos. Mit Kindern muss man keinen Termin abmachen. Die sind einfach da. Und wir sind der Brief, den sollen sie lesen. Sie erleben alles mit. Wir haben eine Kultur gelebt, wo Jesus in der Mitte ist.» Dazu gehörte das Gebet jeden Abend am Bett der Kinder – aber durchaus auch, dass man sich mal bei den Kindern entschuldigt.
«Holt mich von der Bühne runter»
So konnte er mit seinen Kindern abmachen: «Wenn ihr mich mal auf der Bühne seht und der da oben ist anders als am Morgen in der Küche, dann holt mich runter».
Ein «Mega-Schlüssel» für beide: Das Dreieck «Up-In-Out» muss auch in der Familie gesund sein: die Beziehung zu Gott, zueinander und zum Umfeld muss ausgewogen gelebt werden.
Der Kurs JaFe wird im Moment auf Schweizerdeutsch angeboten. Neumanns bieten Coaching an, um die Inhalte in Gemeinden zu multiplizieren. Später soll «Jüngerschaft in der Familie» auch für den grösseren deutschsprachigen Raum entwickelt werden.
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