Iran-Regime beginnt zu zerfallen

Hedieh Mirahmadi kommentiert die Lage im Iran
Im Iran vollzieht sich ein historischer Umbruch. Die Proteste richten sich diesmal direkt gegen die Islamische Republik selbst. Trotz Verfolgung breitet sich auch der christliche Glaube aus, berichtet die Ex-Muslimin und Autorin Hedieh Mirahmadi.

«In Iran vollzieht sich derzeit etwas Aussergewöhnliches – etwas, das einen weitaus tieferen Bruch darstellt, als westliche Schlagzeilen bislang anzuerkennen bereit waren», beobachtet die ehemalige Muslimin und Autorin Hedieh Mirahmadi. «Die Sprechchöre, die durch die iranischen Strassen hallen, sind keine Bitten um Reformen oder wirtschaftliche Entlastung mehr, ebenso wenig sind sie Appelle, die Härte der klerikalen Herrschaft abzumildern. Die Demonstrierenden fordern nun offen das Ende der Islamischen Republik selbst.»

Die Rückkehr von Kronprinz Reza Shah Pahlavi wird gefordert. «Eine Erklärung, die das theologische und politische Fundament des Regimes direkt infrage stellt. Es ist eine unmissverständliche Zurückweisung der islamischen Regierungsform und eine Forderung nach einer Zukunft, die nicht an religiösen Absolutismus gebunden ist.»

Ziel: Regime absetzen

Bedeutsam werde der Moment nicht nur durch das Ausmass der Unruhen sondern durch die Klarheit des Ziels – denn das Volk hat genug: «Das iranische Volk protestiert nicht gegen eine einzelne Massnahme, eine umstrittene Wahl oder einen vorübergehenden wirtschaftlichen Abschwung. Es erhebt sich gegen ein ideologisches System, das religiöse Autorität mit politischer Macht verschmolzen und diese Verbindung über mehr als vier Jahrzehnte hinweg mit Gewalt durchgesetzt hat. Die Islamische Republik wurde mit dem Versprechen errichtet, dass die Herrschaft der Geistlichen Gerechtigkeit, moralische Ordnung und nationale Würde bringen würde. Stattdessen hat sie wirtschaftliche Verwüstung, systemische Korruption, regionale Aggression und eine Kultur der Angst hervorgebracht, die durch Gefängnisse, Hinrichtungen und Überwachung aufrechterhalten wird.»

Die Reaktion des Regimes folgt einem vertrauten und brutalen Drehbuch, ordnet Hedieh Mirahmadi das Geschehen ein: «Gegen Demonstrierende wird scharfe Munition eingesetzt. Massenverhaftungen erfassen Studierende, Arbeiter und Dissidenten. Öffentliche Hinrichtungen werden unter dem Deckmantel der Strafjustiz vollzogen – nicht, um Recht durchzusetzen, sondern um Terror zu verbreiten.»

Für Christen steht viel auf dem Spiel

Internetabschaltungen sollen die Bevölkerung isolieren, staatliche Medien machen ausländische Verschwörungen für die Unruhen verantwortlich. «Diese Taktiken sind keine Zeichen von Stärke. Sie sind Symptome eines Systems, das nur durch Zwang überlebt, weil es die moralische Autorität verloren hat, die es einst für sich beanspruchte.»

Für Christen steht bei diesem Aufstand sowohl politisch als auch geistlich viel auf dem Spiel. «Iran ist nicht einfach ein autoritärer Staat. Es handelt sich um ein theokratisches Regime, das auf einer Theologie beruht, die Geistlichen uneingeschränkte Autorität über Staat, Gesellschaft und das individuelle Gewissen zuspricht. Der Oberste Führer ist nicht lediglich eine politische Figur, sondern wird als Gottes Vertreter auf Erden dargestellt – niemandem gegenüber rechenschaftspflichtig, keinem Wählerwillen unterworfen und durch keinen rechtlichen Rahmen begrenzt, ausser durch seine eigene Auslegung des islamischen Rechts. Diese Verschmelzung von Moschee und Staat hat Iran zu einem der weltweit feindseligsten Orte für Religionsfreiheit gemacht.»

Christen gelten als Verräter

Christen im Iran leben unter ständiger Bedrohung, weiss Hedieh Mirahmadi. «Konvertiten aus dem Islam gelten als Verräter. Hauskirchen werden durchsucht. Bibeln werden beschlagnahmt. Pastoren werden wegen der Verkündigung des Evangeliums inhaftiert. Evangelisation wird als nationale Sicherheitsbedrohung eingestuft.»

Doch in einer tiefen Ironie wächst der christliche Glaube im Iran trotz unerbittlicher Repression. Untergrund-Hauskirchen vermehren sich weiterhin. Konvertiten berichten, dass sie Christus durch die Heilige Schrift, persönliches Zeugnis und sogar durch Träume begegnet sind. «Das Evangelium hat sich nicht deshalb ausgebreitet, weil das Regime es zuliess, sondern weil Wahrheit sich nicht durch Gewalt auslöschen lässt. Diese geistliche Erweckung entlarvt die zentrale Lüge des politischen Islam. Der Islamismus behauptet, durch totale Kontrolle göttliche Ordnung zu schaffen. Das Christentum verkündet Erlösung durch die alleinige Hingabe an Christus und Freiheit von der Tyrannei der Menschen.»

Westliche Politik als Illusion entlarvt

Der Aufstand im Iran entlarvt zudem eine gefährliche Illusion, die die westliche Politik jahrzehntelang geprägt hat. «Die Islamische Republik wurde als rationaler politischer Akteur behandelt, der durch Verhandlungen, Sanktionslockerungen und diplomatisches Engagement zu mässigen sei. Atomabkommen wurden als Wege zur Stabilität verkauft. Wirtschaftliche Anreize galten als Mittel zur Stärkung der Zivilbevölkerung. Dialog wurde als Gegenmittel gegen Extremismus propagiert.»

Diese Ansätze bezeichnet Hedieh Mirahmadi als gescheitert, «weil sie das Wesen des Regimes verkannten. Die Machthaber Irans werden nicht von pragmatischen Staatsinteressen geleitet, sondern von einer ideologischen Verpflichtung zu revolutionärem Islam, regionaler Vorherrschaft und der Unterdrückung von Dissens.»

Klerikales Establishment im Fokus

Eine Pro-Pahlavi-Demonstration der iranischen Diaspora in Perth, Australien, vom 4. Januar 2026

Das iranische Volk versteht diese Realität weit besser als viele westliche Entscheidungsträger. «Seine Sprechchöre richten sich nicht gegen Washington oder Jerusalem. Sie richten sich gegen das klerikale Establishment, das ihm Freiheit, Wohlstand und Würde geraubt hat. Die Menschen lehnen die islamische Herrschaft selbst ab, nicht aussenpolitische Entscheidungen, die ihnen von aussen aufgezwungen wurden. Diese Zurückweisung sollte im Westen eine moralische Gewissensprüfung erzwingen.»

Mit Klarheit sprechen

Die Kirche hat die Verantwortung, mit Mitgefühl und Klarheit zu sprechen, betont Hedieh Mirahmadi. «Mit Mitgefühl für ein Volk, das unter religiöser Tyrannei gelitten hat. Mit Klarheit über die Ideologie, die es versklavt hat. Die Heilige Schrift warnt wiederholt vor Herrschern, die sich mit göttlicher Autorität schmücken und zugleich diejenigen verschlingen, die ihnen anvertraut sind. Der Iran ist ein modernes Zeugnis dieser Warnung.»

Der Aufstand im Iran ist nicht nur eine politische Krise. Hedieh Mirahmadi spricht von einer geistlichen Abrechnung. «Die Islamische Republik verliert die Kontrolle, weil ihre falschen Versprechen unter der Last der Realität zusammenbrechen.»

Dieser Moment verlangt Gebet, Unterscheidungsvermögen und Mut. «Gebet für den Schutz der Demonstrierenden, für das Wachstum der Untergrundkirche und für den Sturz ungerechter Systeme. Unterscheidungsvermögen, um den Unterschied zwischen echtem Glauben und politischer Religion zu erkennen. Mut, die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie unpopulär ist. Die Geschichte zeigt, dass kein auf Lügen errichtetes Regime ewig Bestand hat. Die Schrift versichert uns, dass Gott die Hochmütigen erniedrigt und die Unterdrückten erhöht.»

Zum Thema:
«Mit dem Islam fertig»: Wie der Glaube im Iran wächst, macht Hoffnung 
Islamisches Regime: Iran zwischen Diktatur und Hoffnung 
Ex-Muslim Hormoz Shariat: «Der Iran ist keine muslimische Nation mehr» 

Autor: Hedieh Mirahmadi / Daniel Gerber
Quelle: Christian Post / gekürzte Übersetzung: Livenet

Werbung
Livenet Service
Werbung