Montag, 24. Juni 2024

«Es geht um mehr als um Gold»

Ehemaliger Snowboardprofi Jörg Walcher und ehemalige Wasserspringerin Jacqueline Walcher-Schneider wohnen am Bodensee
Jörg Walcher war 2003 das erste Mal als Sportpfarrer an der Ski-WM in St. Moritz und gründete 2010 gemeinsam mit seiner Frau Jacqueline «beyond gold». An Grossanlässen bieten sie Spitzenathleten Sportler-Andachten, Gebet und Ermutigung an.

Das Ehepaar Walcher, das mit drei Teenagern am Bodensee lebt, ist seit vielen Jahren mit dem Sportvirus infiziert. Der gebürtige Österreicher Jörg Walcher war einst Snowboardprofi. Jacqueline ihrerseits feierte als WM-Vierte, Olympia-Finalistin und 14-fache Schweizermeisterin im Turmspringen ebenfalls grosse Erfolge im Sport. So machten sie einige Jahre nach ihrer aktiven Karriere ihre grosse Leidenschaft zum Beruf und gründeten «beyond gold».

Frei von Leistungsdruck

Jacqueline und Jörg bieten Spitzenathleten und -athletinnen während Weltklasse-Anlässen einen Raum an, wo sie sich gemeinsam geistlich stärken, austauschen und Gebet in Anspruch nehmen können. Hier geht es nicht um Leistung, sondern darum, zur Ruhe zu kommen, Druck abzugeben und ermutigt zu werden. Die beiden freuen sich sehr über das grosse Interesse an ihrem Angebot. Die kulturellen Unterschiede seien gross, aber das Gebet werde sehr gern in Anspruch genommen. «Es sind Spitzensportler dabei, die sehr selbstlos unterwegs sind. Sie unterstützen einander, das berührt mich sehr», resümiert Jacqueline.

Jörg betont, sie würden besonders darauf achten, eine «performance free zone» zu schaffen, also eine Zone, in der für einmal nicht die Leistung zählt: «Hier können die Athleten herunterfahren, Musik mit christlichen Texten hören und ihre Ängste ablegen. «Wir erleben immer wieder, wie die Teilnehmenden diese Treffen mit Zuversicht und Stärke verlassen.» Früher waren Sportlerandachten vor allem für die Athleten – heute seien auch Trainer, Sportärzte oder -psychologen dabei. «Auch sie können innerlich auftanken, und sie arbeiten mit uns zusammen.»

Starke Freundschaft

Nach vielen Einsätzen an Schwimm-Weltmeisterschaften lernte Jacqueline bei ihrem ersten Einsatz an einer Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London die Hochspringerin Nicola Olyslagers-McDermott aus Australien kennen. Sie und andere Sportlerinnen aus Amerika, Österreich und Jamaika seien zur Sportlerandacht gekommen, und alle hätten sich sehr über die Ermutigung durch «beyond gold» gefreut.

«Wenn du keine Last auf den Schultern hast, läufst und springst du leichter.»

Jacqueline bekräftigt: «Die Athletinnen konnten endlich sagen, wie sie sich wirklich fühlen, sie mussten nichts vorspielen.» Nicola ist seither wöchentlich bei den Online-Meetings dabei, und es hat sich eine tiefe Freundschaft entwickelt. Bereits zum vierten Mal verbringt sie mit ihrem Mann einige Wochen im Sommer bei Familie Walcher. Nicola trainiert dann jeweils bei den «Amriswil Athletics». Jacqueline schwärmt: «Sie ist ein Vorbild für unsere drei Töchter und andere Nachwuchssportler – gerade auch durch ihre ansteckende Art, mit der sie den Glauben an Jesus lebt.»

Leichtläufig durchs Leben

«Ihre Anwesenheit hier in der Region wird von allen geschätzt, und Nicola hat eine sehr positive Ausstrahlung», erklären Jörg und Jacqueline. Sie erleben: «Nicolas Freundschaft mit Gott ist ihre Stärke, das wird während des Wettkampfs von den Kommentatoren weltweit wahrgenommen.» Das Lächeln der Australierin sei nicht aufgesetzt, sie lebe vor, was sich jeder Spitzensportler wünsche – einfach aus Freude Sport zu treiben, ohne sich von den Erwartungen der Medien oder dem Trainer unter Druck setzen zu lassen. Der Sportpfarrer ergänzt: «Nicola weiss, dass sie von Gott bedingungslos geliebt ist – ob mit oder ohne Erfolg. Wenn du keine Last auf den Schultern hast, läufst uns springst du leichter.»

Eine Bibel für Wintersportler

Walchers haben zusammen mit Hans Peter Royer, einem österreichischen Pastor und Bergführer (†2013 im Dachsteingebirge) eine Bibel für Wintersportler herausgegeben. Darin erzählen Persönlichkeiten wie Pirmin Zurbriggen, Benni Raich oder Christof Innerhofer von ihrem Leben mit Gott. Bisher wurden 9'000 dieser Bibeln an Athleten oder Sportfans abgegeben. Aus den USA meldete eine Südtiroler Ski-WeltcupAthletin, sie nehme die Bibel immer mit – obwohl diese 600 Gramm wiege. Auch während der Sportlerandachten liest Jörg gern aus der Bibel vor. So zitiert er oft den Apostel Petrus: «Demütige dich unter die Hand des allmächtigen Gottes, indem du alle deine Sorgen auf ihn wirfst. Er wird dich zur rechten Zeit aufrichten.» Athletinnen und Athleten verschiedenster Hintergründe und Konfessionen würden an den Anlässen erfahren, dass im Glauben eine Kraft stecke. Ein junger Mann habe diese einmal am nächsten Morgen abrufen können – und sei prompt Weltmeister geworden. Eine andere Athletin aus USA, die Jacqueline 2021 auf der Damentoilette ansprach und zum Bibelkreis mitnahm, hat das Diamond League Finale gewonnen und möchte jetzt auch als Sport-Chaplain den Athleten dienen.

Nicola Olyslagers-McDermott und Ehepaar Walcher

Handfeste Dankbarkeit

Jacqueline knüpft gern neue Kontakte. An der WM im letzten Sommer sprach sie am Pool zwei junge Athletinnen an und lud sie spontan zu ihrem Ermutigungstreffen «prayer and strength» ein. Die zwei kamen, und beide gewannen am nächsten Tag Medaillen, «nicht, ohne sich danach bei uns zu bedanken», ergänzt Jacqueline. Unvergessen bleibt auch die Schweizer Athletin, die dem Ehepaar nach erfolgreichem Rennen ihre WM-Staffel schenkte.

Hoffnung und Ermutigung

Das persönliche Engagement des Ehepaars ist gross, sie lernen ständig neue Athleten kennen, tauschen Adressen aus, vernetzen, pflegen Kontakte auf persönlicher Ebene. «Wir schauen schon darauf, dass unser Einsatz mit der Familie kompatibel bleibt und suchen aktuell Unterstützung im Büro», bestätigt Jacqueline Staunend und dankbar berichtet das Paar: «Was in letzter Zeit geschieht, haben wir noch nie erlebt. Die Athleten stehen kühn zu ihrem Glauben und ermutigen damit andere.» Eine ihrer Töchter habe an der Leichtathletik-WM in Budapest mit Jacqueline gemeinsam spitzenahtleten unterstützt und für sie gebetet. Jörg und Jacqueline wissen: «Zu Spitzensportlern schauen viele Menschen auf – sie sind Hoffnungsträger und Ermutiger.»

Über «beyond gold»

«beyond gold» begleitet und betreut Nachwuchstalente, Spitzensportlerinnen und Spitzensportler vor, während und nach ihrer Karriere.

Der Mensch hinter der Sportlerin oder dem Sportler, soll in all seinen Lebensbereichen ein erfülltes, gesundes und «Werte-volles» Leben führen. Dies über den sichtbaren Erfolg hinaus und als Inspiration und Vorbild für Jugend und Gesellschaft. Menschen im Spitzensport begegnen verschiedenen Herausforderungen, darunter Depressionen, Burnout, Suizidgedanken, Essstörungen, Doping, familiäre und teambezogene Probleme, Schicksalsschläge, emotionale Belastungen nach Niederlagen oder Verletzungen.

Die Angebote von «beyond gold» basieren auf christlichen Werten und richten sich an alle Personengruppen im Spitzensport, unabhängig von ihrem religiösen oder kulturellen Hintergrund.

Sehen Sie sich den Hope-Talk mit Jörg und Jacqueline Walcher an:
 

Autor: Mirjam Fisch-Köhler
Quelle: Hope Regiozeitungen