«Eines der grössten Massaker unserer Zeit»
«Unser geliebter Iran schreit nach Gerechtigkeit, Würde und einer Zukunft, in der jeder Bürger – einschliesslich der Christen – in Frieden leben und Perspektiven haben kann, befreit von Angst und Armut», zitiert der französische Zweig von «Open Doors» einen iranischen Christen in einem Gebetsaufruf.
Seit dem 28. Dezember demonstrieren Tausende Iraner gegen die bestehende Macht vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Krise. Fünfundzwanzig Tage später gab das iranische Staatsfernsehen den Tod von 3’117 Menschen infolge der harten Repressionen bekannt, darunter auch Angehörige der Sicherheitskräfte.
Umstrittene Zahlen
Zahlen, die umstritten sind. Die NGO «Iran Human Rights» spricht beispielsweise von einer höheren Zahl und zählt mindestens 3’428 getötete Demonstranten, wobei sie davon ausgeht, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen könnten. Andere Quellen sprechen von weitaus höheren Zahlen. «Die Tagesschau» spricht von 2'000 bis 18'000 Toten.
«Es besteht kein Zweifel daran, dass die Islamische Republik eines der grössten Massaker an Demonstranten unserer Zeit verübt hat, und alles deutet darauf hin, dass dieses Massaker geplant und vollkommen koordiniert ausgeführt wurde», erklärte der Direktor von «Iran Human Rights», Mahmood Amiry-Moghaddam.
Von Quelle vor Ort bestätigt
Diese staatliche Gewalt wurde auch von einer Quelle von Open Doors, die sich im Land befindet, bestätigt. «Die Sicherheitskräfte reagieren mit Massenverhaftungen und dem Einsatz tödlicher Gewalt, um die Menschenmengen unter Kontrolle zu bringen», erklärt sie.
Die iranischen Christen – nach Schätzungen nahezu eine Million Menschen (laut «Christianity Today» im Jahr 2020) – hielten sich bislang meist aus der Politik heraus. Doch die aktuellen Proteste haben alles verändert. «Im ganzen Land teilen viele Menschen, darunter auch die Christen im Iran, ein tiefes Verlangen nach Gerechtigkeit und Freiheit», berichtet Yeghnazar, der aus dem Land stammt.
Christen reagieren mit Gebet und Solidarität
Nach Angaben von Open Doors sind Christen bei den Demonstrationen auf den Strassen sichtbar, sie engagieren sich aber zugleich im Gebet und in der Solidarität als iranische Bürger. «Sie werden von der Hoffnung auf eine Zukunft geleitet, die von Gleichheit, Verantwortung und Achtung des menschlichen Lebens geprägt ist – über religiöse und ethnische Zugehörigkeiten hinaus», so die Organisation.
Unter den Todesopfern der Repression befanden sich in den vergangenen Tagen mindestens sieben iranisch-armenische Christen.
In dem Land, das im Weltverfolgungsindex 2026 für Christen auf Platz 10 steht, sind Gläubige schweren Verletzungen ihrer Religionsfreiheit ausgesetzt. «In den Augen der iranischen Behörden gelten Christen als ‘Bedrohungen der nationalen Sicherheit’ und werden beschuldigt, als Agenten westlicher Länder zu handeln, um das iranische Regime zu schwächen.»
«Beten wir für den Frieden»
Open Doors ruft regelmässig Christen weltweit dazu auf, für ihre Glaubensgeschwister zu beten, die sich in Krisensituationen befinden. In diesem Zusammenhang schlägt die französische Abteilung von Open Doors sieben Gebetsanliegen vor, darunter den Schutz der iranischen Bevölkerung, den Trost für die Familien der Opfer, die Standhaftigkeit der iranischen Christen sowie das Ende ungerechter Verhaftungen.
«Beten wir für Frieden, Schutz und Weisheit für das iranische Volk inmitten von Gewalt und Unsicherheit. Beten wir für den Trost der Familien, die Angehörige verloren haben, und für die göttliche Heilung der Verwundeten und Traumatisierten. Beten wir für die iranischen Christen, dass sie in dieser Zeit der Unruhen Mut und Standhaftigkeit finden. Beten wir dafür, dass ungerechte Verhaftungen ein Ende haben und die Gefangenen aus Gewissensgründen freigelassen werden.»
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