«Kurze Einführung in die Bibel» reloaded

Thomas Bänziger im Livenet-Talk
Es begann mit einem Traum. Vor zehn Jahren begegnete Thomas Bänziger darin dem Theologen Ernst Aebi – dem Autor eines Bibelklassikers aus dem Jahr 1949. Daraus ist eine moderne Neuauflage hervorgegangen, von der Bänziger im Talk berichtet.

«Für viele Christen ist die Bibel ein schwieriges Buch», bilanziert Livenet-Redaktor Reinhold Scharnowski zu Beginn des Gesprächs mit dem Autor und Theologen Thomas Bänziger. Um sie genauer zu ergründen, ist es sinnvoll, sie zu studieren. «Dazu gibt es verschiedene Bibelstudien-Hilfen», erklärt Reinhold Scharnowski.

Eine ganz besondere Hilfe ist ein Buch, das es so noch nie gegeben habe. Es stammt von Thomas und Katharina Bänziger von der «Stiftung Schleife». Vor rund 76 Jahren verfasste Ernst Aebi das Standartwerk «Kurze Einführung in die Bibel». Thomas und Katharina Bänziger haben nun eine moderne Neuauflage geschrieben.

Eine Begegnung im Traum

Das Werk umfasst fast 500 Seiten. «Wir haben bei uns in der Stiftung Schleife im Seminar ‘Bibel-Werkstatt’ oft die Frage gestellt bekommen nach einem Buch, das kurze und prägnante Infos zur Bibel abgibt.» Thomas Bänzinger, theologischer Leiter Stiftung Schleife, dachte dabei oft an das Buch von Ernst Aebi, das aber in die Jahre gekommen ist.

Vor zehn Jahren begegnete Thomas Bänzinger im Traum Ernst Aebi. Aus diesem ging hervor, dass es eine neue Version brauche. Ein paar Jahre später kam die Sache ins Rollen.

Die Schrift von Ernst Aebi wurde geehrt, «wir haben mit dem Text etwas getanzt». So blieben leicht überarbeitete Teile, ergänzt durch die Perspektive von 70 Jahren später. Im Buch ist jeweils gekennzeichnet, aus welcher Generation die Passage stammt.

Kurz und prägnant einen Überblick verschaffen

Es erfolgt jeweils eine bibelkundliche Einführung zu den biblischen Büchern, auch mit Hinweisen zur Zeitgeschichte. Beispielsweise zum Buch Habakuk. Da steht Allgemeines über den Propheten, der Zeitabschnitt wann er gelebt hat, wer der Verfasser ist, was seine Botschaft ist, der Inhalt des Buches Habakuk kurz erklärt sowie besondere Merkmale und Verschiedenes.

«Aebi versuchte nach diesem Muster die biblischen Bücher einheitlich zu behandeln», erklärt Thomas Bänzinger. So kann man sich kurz und prägnant einen Überblick verschaffen.

Mit Gott in den Dialog zu treten

Bei der Analyse des Buches Habakuk steht in der Neuauflage: «Von Habakuk können wir lernen, mit Gott in einen Dialog zu treten.» Ein Hinweis, wie man das Buch Habakuk geistlich für sich selbst deuten kann.

Thomas Bänzinger: «Es ging sehr stark um das Herz und das haben wir auch bei Aebi geschätzt. Er hat auch schon 1949 im Alten Testament immer versucht zu zeigen, wie wir das vom Neuen Testament her lesen können. Was nehmen wir mit, was ist die Essenz? Diese Linie wollten wir bewusst weiterführen.»

Er erinnert sich, wie er einmal in Israel bei der Jesus-Bruderschaft geholfen hat, einen Zaun zu bauen. «Wir hatten viele Überfälle.» Es gab Stunden, wo man Wachestehen musste. Einer der Brüder sagte: «Ich stelle mich auf die Warte.» Und er zitierte Habakuk. «Das war für mich ein lebhaftes Beispiel.» So sei es auch im Glaubensleben, man hat Fragen und wendet sich an Gott. «Das ist Habakuk. Dass man dann solche theologischen Gold-Nuggets ins Leben nimmt. Es ist nicht einfach ein Prophet vor vielen hundert Jahren, sondern so geht es mir in meinem Ringen mit Gott auch – da stehe ich jetzt und warte.»

Auch historisch-kritische Einwände werden beleuchtet

Durch historisch-kritische Einwände wird die Bibel seit mehreren Jahrhunderten angegriffen. Aebi geht eingehend darauf ein, erklärt Thomas Bänzinger. «Wir befinden uns in dieser Auseinandersetzung seit der Aufklärung. Im 19. Jahrhundert wurde richtig gerungen, es war auch ein Interesse der Öffentlichkeit da.»

Auch in unserer Zeit müssen wir uns damit auseinandersetzen, betont Thomas Bänzinger. «Wir haben auch die kritischen Einwände aufgegriffen. Nehmen wir Moses: Bei Wiederholungen, zum Beispiel der Aufzählung der Patriarchen, dachte man, dass das verschiedene Quellen sein müssen. Oder es kommt schon ein Königsgesetz vor – Jahrhunderte, bevor Israel einen König hatte.» Da dachte man, dass das viel später geschrieben wurde. «Das sind berechtigte Fragen, über die wir uns nicht lustig machen wollen.» Solchen Fragen wird im Buch nachgegangen.

«Mehr Oberlicht benötigt»

In der heutigen Zeit wird das transzendente in der westlichen Welt nicht selten ausgeblendet. «Wenn jetzt zum Beispiel Jesaja, ein Prophet, der 150 Jahre vor dem Exil Israels lebte und plötzlich von Babylon spricht, dann müssen wir uns schon überlegen, ob das sein kann.» Wenn man nun rein innerweltlich (also ohne göttlichen Eingriff) rangeht, wird man den Text als spät bewerten. «Das ist verständlich, deshalb glaube ich, muss man diese Argumente erklären.»

Thomas Bänziger zitiert Karl Barth, dass in der Theologie «mehr Oberlicht» benötigt werde. «Da ist dieser lebendige Gott und der sieht die Weltgeschichte vor sich, auch die Zukunft. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass er eben prophetisch redet. Das ist ein Markenzeichen von ihm.» Da ist die Überlegung plausibel, dass bevor es einen König in Israel gab, Gott schon von einem König spricht. Wenn man von einem lebendigen Gott, der spricht, ausgeht, «kommt man zu anderen Schlüssen, als wenn man das nicht sieht. Dann ist man schon mitten in der Diskussion. Deshalb fanden wir es fair, die Kritik zu bringen. Kurz und knapp – wir wollen die Leute nicht langweilen – aber doch die Schlüsselargumente bringen, und dann eben auch die Argumente darstellen, die für die Plausibilität des Schlüsseltextes sprechen.»

Zum Buch:
Kurze Einführung in die Bibel, Ernst Aebi / Thomas und Katharina Bänziger

Zum Talk:

Zum Thema:
Dossier: Livenet-Talk 
Gabriel und Matthieu Jordi: Damit Gottes Wort die Menschen erreicht 
Tagebuch eines Anfängerchristen: Wie Christian Busemann das Christsein lernte 

Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

Werbung
Livenet Service
Werbung