Ziel 2033 soll kein leerer Slogan bleiben
Im Gespräch mit Leitern aus verschiedenen Erdteilen warnte der Autor und Pastor Rick Warren, dass das Ziel, jeden Menschen bis 2033 mit dem Evangelium zu erreichen, symbolisch bleiben könnte, wenn Kirchen ihre Evangelisations- und Missionsarbeit nicht gezielter koordinieren.
«Eine meiner grössten Befürchtungen ist, dass der Ausdruck ‘Evangelium für jeden bis 2033’ nur ein Slogan bleibt und buchstäblich nichts weiter», bedauert Rick Warren. «Wir werden Banner hochhalten, applaudieren und singen… aber es wird tatsächlich nicht umgesetzt.»
Ein symbolischer Meilenstein
Der Zeitrahmen bezieht sich auf das Jahr 2033, das für viele Menschen den 2’000. Jahrestag der Auferstehung Jesu Christi markiert (auch wenn das eigentliche Geburtsjahr wohl früher war). Einige Missionsnetzwerke und christliche Koalitionen haben dieses Datum als symbolischen Meilenstein für die Ausweitung der weltweiten Evangelisation übernommen. Rick Warren gründete zu diesem Zweck das Werk «Finishing the Task».
Warren sagte, das Ziel sei nicht mit Vorhersagen über das Ende der Welt verbunden, sondern diene als praktische Frist, die Kirchen und Missionsorganisationen für ein gemeinsames Ziel mobilisieren könne. «Ein festes Datum sorgt dafür, dass man schneller arbeitet; es gibt dir ein Ziel.»
Jeder soll die Möglichkeit haben
Rick Warren spricht vom 2’000. Jahrestag mehrerer grundlegender Ereignisse der christlichen Geschichte, darunter die Kreuzigung und Auferstehung Jesu, die Weitergabe des Missionsbefehls und die Entstehung der Kirche zu Pfingsten.
Er schlug vor, dass Kirchen dieses Jubiläum dadurch begehen könnten, dass sie sicherstellen, dass jeder Mensch zumindest einmal die Möglichkeit hatte, die christliche Botschaft zu hören. «Das grösste Geschenk, das wir Jesus zum 2000-jährigen Jubiläum der Kirche geben können, ist sicherzustellen, dass bis dahin jeder Mensch das Evangelium auf irgendeine Weise gehört hat», sagt Rick Warren.
«Wir sind nicht für die Reaktion verantwortlich»
Rick Warren betonte, dass das Ziel nicht sei, dass jeder Mensch Christ wird, sondern dass jeder die Gelegenheit haben sollte, die Botschaft zu hören. «Wir sind nicht für die Reaktion der Menschen verantwortlich. Aber wir sind dafür verantwortlich, die Gute Nachricht weiterzugeben, damit jeder die Möglichkeit hat.»
Ein wichtiger Aspekt sei die Einheit unter Christen: «Einheit bedeutet nicht Gleichförmigkeit. Der einzige Weg zu echter Einheit besteht darin, Vielfalt zu lieben.» Unterschiede in Kultur, Gottesdienststil und kirchlicher Tradition sollten die Zusammenarbeit in der Mission nicht verhindern.
«Es braucht alle Arten von Kirchen»
«Wenn die gesamte Kirche gleich aussehen, riechen, sprechen, handeln und singen würde, würden wir viele Menschen gar nicht erreichen», ergänzt Rick Warren. «Es braucht alle Arten von Kirchen, um alle Arten von Menschen zu erreichen.»
Warren forderte die kirchlichen Leiter ausserdem heraus, darüber nachzudenken, wie Zusammenarbeit in der Praxis aussehen kann. Es gehe um eine dauerhafte gemeinsame Strategie und eine geteilte Verantwortung für das Erreichen von Gemeinschaften.
«Zusammenarbeit bedeutet, dass man sich mit den Menschen um einen Tisch setzt, eine Karte seiner Stadt hervorholt und fragt: Wer erreicht diese Gruppe? Wer geht auf diesen Berg? Wer arbeitet mit diesem Viertel?»
Er ermutigte Kirchen, lokale Partnerschaften zu entwickeln, die darauf abzielen, ganze Städte oder Regionen zu erreichen, statt unabhängig voneinander zu arbeiten.
Technologie verändert Missionsarbeit
Ein weiterer wichtiger Faktor für die weltweite Evangelisation ist laut Warren der Aufstieg digitaler Technologien. Im Gegensatz zu früheren Generationen von Missionaren, die durch Reisen stark eingeschränkt waren, können Christen heute über Online-Plattformen sofort über Kontinente hinweg kommunizieren.
«Man muss nicht einmal in ein Flugzeug steigen, um das Evangelium in einem anderen Land weiterzugeben.» Das Internet könnte einen Wendepunkt darstellen, ähnlich wie frühere technologische Entwicklungen wie etwa der Buchdruck. «Jedes Mal, wenn Gott uns eine neue Technologie gegeben hat, kam es zu Erweckung und Wachstum in der Kirche.»
Ein Zeitfenster von sieben Jahren
Da bis 2033 noch etwa sieben Jahre verbleiben, sieht Rick Warren in dieser Zeit eine Gelegenheit für Kirchen, ihre Zusammenarbeit und Evangelisation zu intensivieren.
Das Ausmass der Herausforderung bleibt gross, da viele Gemeinschaften und Volksgruppen noch immer keinen Zugang zu christlicher Lehre in ihrer eigenen Sprache oder ihrem kulturellen Kontext haben.
Rick Warren meint jedoch, dass die zunehmende Vernetzung der weltweiten Kirche eine breitere Zusammenarbeit heute möglich machen könnte: «Wenn wir die gesamte Kirche mobilisieren, können wir gemeinsam weit mehr erreichen, als es eine einzelne Organisation oder Denomination jemals allein könnte.»
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