Das Jahr, das alles veränderte
Kantonsparlament erhielt sie eine Krebsdiagnose. Trotzdem blickt sie heute dankbar zurück.
«Das Jahr 2022 war für mich in fast jeder Hinsicht ein ganz besonderes Jahr», erzählt Christine Grogg. Begonnen hat es mit dem Ziehen eines Bibelverses in ihrer Kirche – eine Ermutigung, die als persönliche Zusage Gottes gedacht ist. Zu dieser Zeit war sie amtierende Berner Grossrätin, kandidierte für den Regierungsrat und war vollauf mit den anstehenden Wahlen im März 2022 beschäftigt. Gleichzeitig plagten sie damals unklare Beschwerden, die ärztlich abgeklärt werden mussten. Der Vers «Mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut» (Psalm 13,6) wurde für sie zur Kraftquelle.
Doppelte Erschütterung
Christine lebte zu jener Zeit schon jahrelang mit ihrem Mann auf einem Bauernhof in der Bützberger Längmatt, wo sie gemeinsam eine therapeutische Wohngemeinschaft betreuen. Hoffnungsvoll war die naturverbundene Bernerin in das Jahr gestartet, wurde im Frühjahr jedoch schlagartig ausgebremst. Am 27. März 2022 schaffte Christine die Wiederwahl in den Grossen Rat nicht mehr. Für die leidenschaftliche Politikerin war dies eine bittere Niederlage: «Es ist wie bei einer Person, die in Pension geht und sich plötzlich nicht mehr gebraucht fühlt.» Diese abrupte Veränderung bedeutete den Beginn eines neuen Kapitels in ihrem Leben.
«Es ist wie bei einer Person, die in Pension geht und sich plötzlich nicht mehr gebraucht fühlt.»
Neun Wochen später folgte der nächste Schlag: Die medizinischen Abklärungen führten zur Diagnose Knochenmarkkrebs. Zwei verschiedene Chemotherapien begleiteten Christine mehr oder weniger heftig bis Ende des Jahres. Die Nebenwirkungen der Medikamente veränderten ihr körperliches Befinden: «Mein Körper machte Dinge, die ich so noch nicht gekannt hatte und mit denen ich umzugehen lernen musste.»
Anker für die Seele
Eine besondere Erfahrung wurde ihr zum Anker für die Seele. Auf der Autofahrt Richtung Inselspital ertönte auf ihrem Lieblingssender ein Lied. «Fear is not welcome» hiess der Titel. «Gott ist mir dort auf ganz persönliche Art begegnet, indem er meine Angst genommen und mir die Gewissheit seiner Liebe für mich in seiner ständigen Gegenwart vertieft geschenkt hat.» Diese Zuversicht findet sie auch in einer Aussage des Schriftstellers C.S. Lewis wieder: «Leben mit Gott bedeutet nicht Schutz vor Schwierigkeiten, sondern Frieden in Schwierigkeiten.»
Neuer Anlauf
Heute kann die 61-Jährige dankbar berichten, dass sie sich physisch und psychisch erholt hat. Sie fühlt sich gesund und fasst neuen Mut – auch politisch: 2026 kandidiert sie nochmals für den Grossen Rat und möchte so einen Beitrag für die Gesellschaft leisten.