Himmel auf Erden – es gibt Fortschritte

(v.l.n.r.) Beat Ungricht (Präsident der SEA), Christina Aus der Au (reformierte Kirchenratspräsidentin Thurgau), Dominik Reifler (Gemeindepfarrer der Gellertkirche Basel) und Jonathan Schneider (Pastor der Gemeinde von Christus Züri Oberland)
Die EXPLO ist Geschichte, die Folgen werden sich zeigen. Flo Wüthrich zieht im Gespräch mit vier Schweizer Leitern eine Zwischenbilanz. Gibt’s mehr Himmel auf Erden?

Gesprächspartner sind Beat Ungricht (Präsident der Schweizerischen Ev. Allianz), Christina Aus der Au (reformierte Kirchenratspräsidentin Thurgau), Dominik Reifler (Gemeindepfarrer der Gellertkirche Basel) und Jonathan Schneider, leitender Pastor der Gemeinde von Christus Züri Oberland. Wie erleben diese Leiter von Format die Explo und ihren Anspruch, mehr Himmel auf Erde sichtbar zu machen?

Was alle anspricht, ist – neben persönlichen Eindrücken – die grosse Vielfalt der Teilnehmenden in grosser Einheit. Das Gespräch dreht sich nach einem eingespielten Input von Prof. Stefan Schweyer um die beiden Schwerpunkte «Brennender Glaube» und «Offene Kirchentüren». Schweyers These: Je heisser der Glaube in der Kirche, um so wichtiger ist es, dass die Türen offen sind und die Welt etwas von der Wärme mitbekommt, um innere Überhitzung zu vermeiden.  

Weniger rechthaberisch

Beat Ungricht beobachtet, dass die Frommen im Lande in letzter Zeit «etwas weniger rechthaberisch» sind. Er selbst habe lange gemeint, er «wisse» es. Dabei hätten offenbar im Leib Christi mehr Leute Platz, als er oft gedacht hat. Auch Jonathan Schneider weist etwas später darauf hin, dass die Kirche den Menschen oft «sagt, was richtig ist». Dabei müssten wir mehr auf die Menschen, die oft überfordert sind, eingehen. In der Gesellschaft sei eine grössere Offenheit für Spiritualität zu spüren.

Christina Aus der Au bringt – aus der Sicht der reformierten Landeskirche – den Kontrapunkt: Kanzeln und Kirchen würden leerer. «Wenn wir uns zur nächsten Explo treffen, ist Kirche anders. Wir sind unterwegs von der Mehrheitskirche zur Diaspora.» In der Kirche sei nicht mehr Pluralismus, sondern mehr Klarheit nötig: «Zu sagen `Keiner hat recht` hilft nicht.»

Kirche sein für andere

In den Freikirchen der Schweiz sieht Ungricht dagegen eine «Kulturveränderung». Indem man sich nicht durch zweitrangige Fragen trennen lässt, sondern «in Christus eins ist», wird Kraft frei, die man in eine grössere Offenheit zur Gesellschaft investieren will. So sind es in der Schweiz aktuell dreizehn Gemeindeverbände in drei Sprachen (!), die gemeinsam einen Weg gehen und lernen möchten, «Kirche zu sein für andere».

Auch hier setzt Aus der Au den Gegenakzent: «Kirche für andere, das leben wir schon lange. Heute müssen wir in der Landeskirche lernen, persönlicher zu werden.»  Also «Mehr Offenheit» und mehr Meinungspluralismus in den Freikirchen und «Mehr inneres Feuer» und mehr Klarheit in den Landeskirchen – eine interessante Spannung.

Alphalive lebt

Pfr. Dominik Reifler ist einer der Pioniere des Alphalive-Kurses in der Schweiz – zuerst in Zürich, jetzt in der Gellertkirche Basel. Ja, zuerst seien es die «Leute aus der Kerngemeinde», die einen Alphalive-Kurs besuchten. Aber wenn man dranbleibe, kämen auch Teilnehmer aus der säkularen Welt: «Nach fünf Jahren ist es hinausgeschwappt.» Nach Alphalive werden «connect groups» immer stärker besucht, die helfen, in die Kirche hineinzufinden.

Gibt es auch in der Schweiz eine «stille Erweckung»?

Die Teilnehmer sind vorsichtig. Ja, die Bibelverkäufe steigen an, Menschen machen Gotteserfahrungen und wollen sich der Kirche anschliessen, junge Männer konvertieren in die klaren Strukturen des Katholizismus hinein – all das gibt es. Darum kann man sagen: Sowohl die gemeinsame Öffnung der Freikirchen als auch die Klärung und geistliche neue Wahrheitsfindung in den Landeskirchen sind Schritte in die richtige Richtung. Das Feuer muss brennen, und die Türen müssen offen sein. Es ist zu hoffen, dass wir in diesem Sinne 2026 mehr Himmel auf Erden in der Schweiz sehen.

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Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet

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