Die einzigartige Rolle von Christen im Nahen Osten
Adi Furrer ist Pastor bei der GPMC, einer grossen Freikirche der Region Thun; über BlessNations sendet und begleitet er regelmässig junge Menschen zu Einsätzen in Israel und ist seit vielen Jahren intensiv mit der Region verbunden.
Krieg ist immer schlecht
Beide Gesprächspartner sind sich einig: Krieg ist immer schlecht, weil Menschen leiden. Furrer aber nüchtern: «Es gibt aber auch einen Frieden, der nicht gut ist – im Iran leidet ein grosser Teil der Menschen.» Wenn man das «Völkerrecht» einhalten wolle und deswegen nicht einschreitet, hilft es den Menschen nicht, hier geht er mit Johannes Hartl einig. Aber anders als Hartl bezweifelt er, ob es möglich ist, Demokratie in den Nahen Osten zu bringen. Zu verschieden seien die Kulturen. «Das ist auch nicht das oberste Ziel», so Furrer.
Was habe ich als Christ zu sagen?
Er selbst werde oft eingeladen, zu Israel und dem aktuellen Geschehen zu reden. Das mache er gern, aber eigentlich immer weniger. «Ich habe mich aus Talks herausgenommen, wo es um vordergründige Zuordnungen geht», so Furrer. Sein Fokus sei immer mehr: «Was habe ich als Christ zu sagen?» Er habe für sich 15 Punkte definiert, die seine Stellung zu den Nahost-Fragen definieren. Zentral ist dabei die Liebe: «Es geht darum, wenn die Welt brennt, dass wir uns als Christen für die Menschen einsetzen.» Das – und nicht die Haltung zu einer Partei im Nahen Osten – sei das Spezifikum der Christen.
Das hat Konsequenzen. «Ich bin klar für Israel – Gott hat sich mit diesem Volk 'ver-bundet' –, aber es gibt auch Gerechtigkeit für die Völker. Ich bin mit der einen Hand für Israel, aber mit der anderen für die Nationen. Sonst kippen wir in einen christlichen Zionismus, davon habe ich mich immer distanziert.» Eine solche Haltung sei nicht einfach, im Gegenteil: «Liebe ist das Schwierigste im Leben.»
Bei der Liebe gehe es immer um Menschen. Furrer selbst kennt strategisches und politisches Denken, kommt er doch selbst aus einer «militärischen Familie». Aber Jesus sende uns immer zu Menschen. Gott habe ihn ein Stück weg von den Strategien und Analysen – «die auch total wichtig sind» – hin zur persönlichen Frage als Nachfolger geführt: Wo kann ich Hoffnung, Glaube und Liebe bringen? Wobei die Liebe «das Grösste» ist, aber Hoffnung sei von der Auswirkung her «das Stärkste».
Die Ärmsten im Gaza-Konflikt
Im ganzen Gaza-Konflikt hat sich Furrer mit seinen Teams darum immer wieder um die «Ärmsten» gekümmert: die palästinensischen Christen, die ihren eigenen muslimischen Landsleuten entfremdet seien und dann Israel gegenüberstünden. Er hat versucht, palästinensischen Christen Medikamente zu bringen und grosse Dankbarkeit dafür erlebt.
«Dieser Jeschua ist der Stärkste»
Aber auch in Israel existiere Offenheit und ein Suchen. «Wir haben einer Jüdin geholfen, ihren Olivenhain zu reparieren und wieder aufzubauen. Eines Tages sagte sie zu uns: `Der Jeschua, der vor 2000 Jahren hier durchgelaufen ist, muss unheimlich stark sein, dass ihr nach 2000 Jahren noch in seinem Namen kommt, um meinen Olivenhain zu reparieren. Ich möchte anfangen, zu diesem Jeschua zu beten.' Für so etwas lebe ich», so Adi Furrer.
Für den Iran möchte er bereit sein, «wenn das Land aufgeht», so Furrer. «Lasst uns Teams bereit machen und zu ihnen schicken.» Solche Aktionen seien aber auch gefährlich – was ist, wenn man nicht zurückkommt? Hier habe ein Pastorenkollege Furrer erinnert: «Jesus hat uns nicht gesagt, wir sollen zurückkommen, sondern wir sollen gehen!»
«Ich spüre ein Flimmern»
Szenenwechsel: Adi Furrer ist via GPMC und BlessNations intensiv mit der Arbeit unter der jungen Generation verbunden. Ist es so, dass das geistliche Interesse unter jungen Menschen wächst? Furrer: «Ich spüre etwas ganz Neues, das beginnt. Einen phänomenalen Aufbruch. Ich spüre ein Flimmern in der Luft. So viele junge Menschen kommen in die Gottesdienste, besuchen die Alphakurse – wir können dieses Jahr eindeutig etwas erwarten!»
Er verbindet diesen Aufbruch mit den Grundhaltungen: «Liebe zu Migranten, eine klare Haltung zu Israel, aber auch Sendungsbewusstsein zu den Nationen: Allein im Bahnhof Bern treffen wir schon 30 Nationen an.» Womit er wieder beim Hauptthema des Talks ist: «Ich bin lieber Nahost-Freund als Nahost-Experte. Aber wichtig ist: Mit der einen Hand sollen wir Israel segnen, mit der anderen Hand die Nationen.»
Zum Talk:
Zum Thema:
Dossier: Livenet-Talk
Talk mit Daniel Rickenbacher: Als Historiker die Wahrheit aufspüren
«Sohn der Hamas»: Den Nahostkonflikt besser verstehen