«Ihr Glaube wächst eher, als dass er schwindet»
«Heart4Iran» engagiert sich dafür, dass im biblischen Land Iran – wo Daniel in der Löwengrube unangetastet blieb und Esther zur König wurde – die Menschen von Jesus Christus hören. Mit «Mohabat TV» werden die hintersten Winkel der Nation am persischen Golf erreicht. Im Interview mit Livenet gibt Heather Martin, Head of Development bei «Heart4Iran», einen Einblick in die Lage der iranischen Christenheit in den gegenwärtig dunklen Stunden der Nation.
Heather Martin, wie ist die aktuelle Lage der Christen im Land? Stehen sie unter zunehmendem Druck, oder wendet sich die Aufmerksamkeit von ihnen ab?
Heather Martin: Wann immer es Proteste gibt, nimmt die Verfolgung von Christen zu. Sie bleiben ein Ziel schwerer Verfolgung. Christen werden als Zionisten bezeichnet und oft ins Gefängnis geworfen – oder es kann noch schlimmer kommen.
Welche Rolle spielt der christliche Glaube in dieser Zeit des Umbruchs?
Der christliche Glaube spielt eine entscheidende Rolle im Alltag der Gläubigen; er ist das, woran sie sich festhalten, um Hoffnung und Durchhaltevermögen zu bewahren. In Zeiten des Umbruchs gibt er ihnen Halt und die Kraft, schwere Verfolgung zu ertragen.
Hat sich die Art und Weise, wie Christen ihren Glauben leben oder praktizieren, seit Ausbruch der Proteste verändert?
Die aktuellen Proteste haben nur ihren Wunsch verstärkt, die Liebe Christi mit denen zu teilen, die unter Verlust und Mangel leiden. Ich würde sagen, ihr Glaube wächst eher, als dass er schwindet, weil sie sich daran erinnert fühlen, wie Christus gelitten hat, und es als Ehre ansehen, für den Namen Christi zu leiden.
Welche Ängste und Herausforderungen stehen Christen derzeit im Land gegenüber?
Die Angst, identifiziert und ins Gefängnis gebracht oder Schlimmeres zu erfahren. Sorgen darüber, wie sie ihre Familien ernähren sollen, weil die Preise so stark gestiegen sind, dass selbst einfache Lebensmittel wie Brot kaum noch bezahlbar sind. Hinzu kommt die schwere Dürre, die ihren Zugang zu Wasser, einer lebensnotwendigen Ressource, stark einschränkt.
Worauf hoffen Christen angesichts der aktuellen Entwicklungen?
Wir sind keine politische Organisation, sondern eine christliche Organisation mit dem Ziel, den Missionsauftrag bis in die entlegensten Ecken des Iran und darüber hinaus zu bringen. Das bedeutet jedoch, dass ein Regimewechsel und ein freier Iran alles ist, wofür wir hoffen und beten.
Mit Mohabat TV senden Sie derzeit täglich in den Iran. Was beinhaltet das Programm und wie sind die Reaktionen?
Ja, selbst bei Internet-Blackouts und Unterbrechungen erreicht unser Satellitenprogramm weiterhin iranische Haushalte. Während dieser Live-Sendungen liefern wir Nachrichten-Updates, Gebete und Ermutigung. Wir sind ihre Lebensader zur Aussenwelt. Wir erinnern sie an Gottes grosse Liebe und daran, dass wir im Gebet mit ihnen stehen.
Was können wir im Westen von iranischen Christen lernen?
Wir können lernen, wie man Schwierigkeiten und Herausforderungen mit grösserem Glauben und Entschlossenheit begegnet. Wir können lernen, nicht zurückzuschrecken, wenn das Leben hart wird, sondern Verfolgung mit Gottes Gnade und Liebe anzunehmen. Iranische Christen sind meine Helden; es sind wunderbar starke Menschen mit riesigen Herzen. Alles, was sie wollen, ist, frei zu sein.
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