Entführte 13-jährige Christin darf zurück

Viele Mädchen werden in Pakistan entführt und zwangskonvertiert (Symbolbild)
Ein pakistanisches Gericht hat angeordnet, dass ein zwangsverheiratetes und -konvertiertes 13-jähriges Mädchen zurückgeholt werden muss. Weiter entschied die Justiz, dass der Entführer vor Gericht gestellt wird.

Ein aus zwei Richtern bestehender Senat des neu konstituierten Bundesverfassungsgerichts ordnete an, Maria Shahbaz und den 30-jährigen Shehryar Ahmad vor Gericht zu bringen. Ahmad hatte Maria entführt, sie gewaltsam zum Islam konvertiert und sie geheiratet, sagte Anwalt Rana Abdul Hameed. Richter Ali Baqar Najafi und Richter Karim Khan Agha liessen die Petition von Shahbaz Masih, Marias Vater, zu.

«Nachdem unsere Anträge auf Wiedererlangung des Kindes sowohl vom Zivilgericht in Lahore als auch vom Hohen Gericht in Lahore High abgelehnt worden waren, entschieden wir uns, diese Entscheidungen vor dem Bundesverfassungsgericht FCC anzufechten», sagte Hameed. «Wir haben das Gericht darüber informiert, dass das Mädchen minderjährig ist und unter dem Deckmantel der islamischen Konversion und Ehe vergewaltigt wird.»

Polizei kollaborierte mit Täter

Die Polizei von Lahore habe mit dem Verdächtigen kollaboriert, was dazu geführt habe, dass ein Gericht die Entführungsanzeige der Familie abgewiesen habe, so Hameed.

«Das Mädchen wurde gezwungen, eine Erklärung aufzuzeichnen, in der sie behauptete, freiwillig zum Islam konvertiert und Ahmad geheiratet zu haben», sagte er. «Sie gab ausserdem fälschlich an, volljährig zu sein, obwohl offizielle Dokumente belegen, dass sie minderjährig ist und jünger als das gesetzliche Heiratsalter der provinziellen Kinderehegesetze, die die Heirat von Mädchen unter 16 Jahren verbieten.»

Menschenrechtler begrüssen Gerichtsentscheid

Der Menschenrechtsaktivist Safdar Chaudhry begrüsste die gerichtliche Anordnung und sagte, dass die Familie Masih trotz wiederholter Rückschläge vor Gerichten in Lahore in ihrem Streben nach Gerechtigkeit standhaft geblieben sei.

«Wir haben die Gerichte wiederholt angerufen und argumentiert, dass das Mädchen minderjährig ist und nicht in der Obhut des Beschuldigten bleiben darf, doch unsere Anträge wurden ausschliesslich auf der Grundlage der Aussage des Kindes vor einem Magistrat zurückgewiesen», sagte Chaudhry. «Wir sind den FCC-Richtern dankbar, dass sie unsere rechtlichen Argumente zugelassen und die Vorführung des Kindes vor Gericht angeordnet haben. Wir hoffen, dass das Gericht die Verletzung der Kinderehegesetze zur Kenntnis nimmt und rechtliche Schritte gegen den Beschuldigten anordnet.»

Ein in Pakistan bekanntes Muster

Shahbaz Masih, der als Chauffeur arbeitet und Vater von fünf Kindern ist, sagte, sein Nachbar Ahmad habe seine Tochter entführt, als sie das Haus verliess, um zu einem nahegelegenen Geschäft zu gehen. Masih erstattete bei der Polizeistation Nawab Town in Lahore Anzeige, doch am 1. August informierte ihn die Polizei darüber, dass Maria am 31. Juli vor dem Justizmagistrat Hassan Sarfaraz Cheema in Model Town eine Erklärung abgegeben habe, in der sie behauptete, aus freiem Willen zum Islam konvertiert und Ahmad geheiratet zu haben.

Menschenrechtsvertreter sagen, dass solche Fälle in Pakistan einem bekannten Muster folgen: Entführte Mädchen, manche erst zehn Jahre alt, werden verschleppt, zwangsweise zum Islam konvertiert und unter dem Deckmantel islamischer «Ehen» vergewaltigt. Die Opfer werden häufig unter Druck gesetzt, falsche Aussagen zugunsten ihrer Entführer zu machen, während Richter routinemässig dokumentarische Altersnachweise ignorieren und die Kinder als «rechtmässige Ehefrauen» an ihre Entführer zurückgeben.

Mindestheiratsalter soll hochgesetzt werden

Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari unterzeichnete am 29. Mai 2025 ein wegweisendes Gesetz zur Eindämmung der Kinderehe für das Islamabad Capital Territory (ICT), das das Mindestheiratsalter für beide Geschlechter auf 18 Jahre festlegt.

Das Gesetz wurde trotz heftigen Widerstands islamistischer Gruppen, darunter des «Council of Islamic Ideology» (CII), des obersten islamischen Gremiums des Landes, verabschiedet. Der CII hatte erklärt, dass die Einstufung einer Ehe unter 18 Jahren als Vergewaltigung nicht mit der Scharia vereinbar sei.

Verschiedene Gesetze

Ein ähnlicher Gesetzentwurf ist seit dem 25. April 2024 in der Provinzversammlung von Punjab anhängig. In Punjab liegt das gesetzliche Mindestheiratsalter für Mädchen weiterhin bei 16 Jahren.

Auf nationaler Ebene erhöhte der «Christian Marriage (Amendment) Act 2024» das Heiratsalter ausschliesslich für Christen auf 18 Jahre; konvertieren christliche Mädchen jedoch zum Islam, werden sie nach der Scharia als Musliminnen behandelt, die eine Eheschliessung in jüngerem Alter erlaubt.

Pakistan, dessen Bevölkerung zu mehr als 96 Prozent muslimisch ist, belegte auf dem Weltverfolgungsindex 2026 von Open Doors den achten Platz unter den Ländern, in denen es am schwierigsten ist, Christ zu sein.

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Autor: Morning Star News / Daniel Gerber
Quelle: Christian Daily International / Übersetzung: Livenet

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